Einen schönen Dienstagabend.
„Mit gegenseitiger Wertschätzung & viel Freude am Job arbeiten? Das kannst du auch, wir freuen uns immer über Nachwuchs!“ - auf welcher Homepage steht dieser Werbespruch? Richtig! Auf der von Attensam. Bei dem Hausbetreuungs-Unternehmen geht es immer lustig zu, das zeigt ein Beweisvideo auf der offiziellen Firmenseite. Sie haben ja keine Ahnung, wie spaßig das Dreckwegmachen von anderen Leuten sein kann. Der Clip zeigt fröhliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie tanzen mit einem Wischmob durch ein Stiegenhaus, sie malen eine Wohnung aus und das mit einem breiten Grinsen, eine Gärtnerin hüpft vergnügt wie ein Reh über eine Wiese. So geht Produktivität, Leistung muss sich wieder lohnen. Für wenig Geld für einen arbeiten mit viel Geld, das macht rundum sorglos. Einmal so glücklich sein wie diese Werbefiguren beim Wegscheuern von Ausscheidungen oder Überpinseln eines Tatorts. Wenn´s einer kann, dann Attensam.
Nun hat sich der Chef der Firma, Oliver Attensam, einen Patzer geleistet, den bekommt man nicht einmal mit Dr. Beckmanns Fleckenteufel weg. In einem Interview im „Standard“ sagte der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe: „Ich bin ein großer Befürworter davon, höchstmögliche Lohnerhöhungen jedes Jahr durchzubekommen. Wir müssen von ganz unten weg, höher hinauf. Wenn wir alle teurer werden, kann der Kunde nicht einen Billigen nehmen. Wir können nicht den Abschaum, der überbleibt, als Mitarbeiter bekommen, sondern wir müssen schauen, dass wir gute Leute haben. Gut bezahlen, lang halten.“ Abschaum! Wen hat er gemeint, welche Arbeitslosen? Menschen, die vielleicht aus prekären Familienverhältnissen stammen und nicht das Glück einer höheren Schulbildung hatten? Personen, die zu krank für körperliche Arbeit sind? Oder vielleicht kein Talent dafür haben? Im Schneeschaufeln bin ich Abschaum, als Wiener auch ungeübt - müsste ich im Winter in Tirol vor einem Einfamilienhaus Gefrorenes wegschippen, ich würde als Lawinenopfer in die Statistik eingehen. Ist auch Abschaum, wer wenig verdient? Pflegerinnen und Pfleger verdienen zu wenig für das, was sie leisten, na, dann probieren wir es doch ohne sie. Wird uns nichts anderes übrig bleiben; bis zum Jahr 2030 braucht Österreich 75.000 zusätzliche Kräfte. Nur haben wir die leider nicht.
Oliver Attensam legte im „Standard“ Wert auf folgende Ergänzung: „Er wolle sich zutiefst für die Verwendung des Begriffs ,Abschaum´ entschuldigen. Dieses Wording spiegele in keiner Weise seine Einstellung gegenüber Mitarbeitenden und Arbeitssuchenden wider. Die Wortwahl sollte vielmehr die geringe Wertschätzung, die leider teilweise gegenüber der Reinigungsbranche besteht, aufzeigen - leider sei daraus genau das Gegenteil von dem, was Oliver Attensam ausdrücken wollte, entstanden.“ Wie gesagt, der Patzer geht nicht mehr weg, da muss schon der fröhliche Attensam-Sonderreiniger ran. Für die „faire Entlohnung“ (Attensam) auf Vollzeitbasis von 1681,77 Euro brutto pro Monat macht er das bestimmt gerne. Gut bezahlen, lang halten.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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