Männliche Putzerfische halten sich in ihren Korallenriff-Revieren Harems mit bis zu 16 Weibchen, wie die Zoologische Gesellschaft London (ZSL) mitteilte. Geboren werden alle Putzerfische als Weibchen. Wenn eines von ihnen zum größten Tier in der Gruppe wird, wechselt es sein Geschlecht und wird zum Männchen.
Forscher der ZSL, der Universitäten Neuenburg und Zürich sowie der University of Queensland in Australien haben nun herausgefunden, dass männliche Putzerfische die Größe ihrer Weibchen genau im Auge behalten. Mit Strafen halten die Männchen große Weibchen davon ab, zu viel zu naschen.
Tägliche "Arbeit" der Putzerfische nachgestellt
Für ihre im Fachmagazin "Proceedings of The Royal Society B" publizierte Studie stellten die Forscher experimentell Situationen nach, in denen Putzerfische andere Fische von Parasiten befreien. Das dominante Männchen führt diese Reinigungsarbeit gewöhnlich mit dem größten Weibchen in seinem Harem aus.
Ab und zu werden Putzerfische bei der Arbeit gierig. Sie beißen ihren Kunden, denn viel besser als die Parasiten schmeckt ihnen der Schleim auf deren Fischschuppen. Der Kunde reagiert auf den schmerzhaften Biss verärgert, schwimmt weg - und beraubt so beide Putzer der Parasiten-Nahrung.
Männchen fühlen sich durch große Weibchen bedroht
Knabbert ein Weibchen von dem Schleim, reagiert das Männchen darum ungehalten: Es stellt dem Weibchen nach. Die Forscher um Redouan Bshary von der Uni Neuenburg konnten nun zeigen, dass Männchen viel aggressiver auf den Regelverstoß reagieren, wenn er von einem Weibchen begangen wird, das fast so groß ist wie sie selber.
Kleinere Weibchen dagegen werden weniger drastisch bestraft. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die Männchen von großen Weibchen stärker bedroht fühlen: Dank der Schleim-Mahlzeiten könnten diese so groß werden, dass sie ihr Geschlecht verändern und die Position des dominanten Männchens gefährden.
Auch Stellenwert des "Kunden" entscheidet über Strafe
In einem zweiten Experiment wiesen die Forscher zudem nach, dass auch der Stellenwert des Kunden einen Einfluss darauf hat, wie hart ein Putzerfisch-Männchen sein mogelndes Weibchen bestraft. Biss das Weibchen einen guten Kunden, der viel Nahrung bot, wurde es viel energischer in die Schranken gewiesen.
Laut den Wissenschaftlern wirken diese Maßregelungen: Hart bestrafte Weibchen verhielten sich später deutlich kooperativer beim Putzen von guten Kunden. Bisher sei nur beim Menschen bekannt gewesen, dass je nach Art des Verbrechens verschiedene Strafen verhängt würden, schreiben die Wissenschaftler.
Foto: Wikipedia/Mila Zinkova
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