Es war ja schon beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein Pamela Rendi-Wagner bei ihrer Grundsatzrede den Kanzleranspruch stellte. Bisher machte es eher den Anschein, dass selbst innerhalb der eigenen Partei keiner so recht daran glaubte. Wurden die Qualitäten der roten Chefin nur verkannt und wird sie vielleicht die erste gewählte Frau an der Spitze? Es gibt tatsächlich Punkte, die dafür sprechen …
Sie selbst beantwortet diese Frage jedenfalls mit einem bruststarken „Ja“. Eine bessere Zukunft? „Dafür braucht es mich.“ In Zeiten, in denen sich Verantwortungsträger gerne auf Arbeitskreise ausreden und sich die hoch ansteckende Krankheit „Schwubleritis“ unter den Politikern breitmacht, ist dieses deutliche Ziel erfrischend. Wenn diese Klarheit auch in anderen Bereichen Einzug hält - ja, Rendi-Wagner könnte Kanzlerin werden.
Das waren die Umfaller in den letzten Monaten
Das ist nur leider dann auch schon der Haken an der Sache. Gerade in den letzten Wochen und Monaten fehlte es an dieser Schärfe, wenn es denn um die Fragen ging, die Österreich tatsächlich beschäftigten. Ob der ukrainische Präsident Selenskyj vor dem Parlament reden darf? Nein - ich weiß nicht - ja. Ob eine Impflotterie als Anreiz gut wäre? Definitiv ja - vielleicht doch schwierig - waren wir nie dafür. Die Impfpflicht? Nein - ja - doch nein, weil die Umstände haben uns keine Wahl gelassen. Die Liste der Umfaller ließe sich lange erweitern.
Pamela Rendi-Wagner könnte abheben, aber …
Dabei wäre das aktuelle Setting für Pamela Rendi-Wagner gar nicht einmal so schlecht. Eine Regierung, die in den Zustimmungswerten absackt, und ein noch immer um sich greifendes Virus sollten für eine solch stolze Traditionspartei wie die SPÖ und eine an ihrer Spitze stehenden Ärztin die ideale Gemengelage für politische Höhenflüge sein. Dass die Roten nicht steil abheben, sollte allen Beratern zu denken geben. Da müsste eigentlich viel mehr drinnen sein!
Es reicht nicht, auf die Fehler von anderen zu hoffen
Denn es reicht nicht, nur auf die Fehler der anderen zu hoffen. Und genau das scheint aber die Strategie der SPÖ zu sein. Natürlich kann man nach skandalträchtigen Monaten alleine dadurch, dass man nicht unangenehm auffällt, bei dem geschundenen Österreicher viele Sympathiepunkte machen, aber das macht noch lange keinen Kanzler. Der muss auch abseits von Wohlfühl-Floskeln Antworten parat haben, wie es mit dem Land weitergehen soll. Und die werden wohl auch zum Teil wehtun müssen.
Kanzlerin Rendi-Wagner? Möglich!
Wenn Pamela Rendi-Wagner es schafft, nicht nur bei der Kanzlerfrage, sondern auch bei den brennenden Themen ihr Profil zu schärfen, wird einer Kanzlerschaft nichts im Wege stehen. Ja, es ist möglich. Aber bis dahin ist es aus heutiger Sicht noch ein weiter und steiniger Weg.
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