
„Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ganz unten ist, keine Heizung hat, keinen Strom, kein Telefon“, sagt Jan Zechmeister, während er Patrick Kienast in seinem Gent’s Life in Neufeld die Haare wäscht. Dabei schaut er sprichwörtlich durch die Finger. Denn Geld bekommt Zechmeister weder vom 26-Jährigen, noch von dessen Stiefvater Manfred, der als Nächster dran kommt.
Einmal pro Monat ist Tag der Obdachlosen im Barbershop. „Sie können sich einen Friseurbesuch nicht leisten, also mache ich das gratis“, sagt Zechmeister, der den Laden im Vorjahr eröffnet hat. Das Service, das er den beiden angedeihen lässt, unterscheidet sich nicht von jenem der zahlenden Kunden. Waschen, schneiden, rasieren – pro Kopf ist für das Full-Service eine Stunde rum, der Verdienstentgang beträgt in Summe 100 Euro. Nur Haare schneiden ist natürlich billiger, ab 20 Euro ist man mit von der Partie. „Klar musste ich wegen Patrick und Manfred zwei Stammkunden absagen. Aber gebucht ist gebucht“, sagt der 34-Jährige, der seit sechs Jahren meisterlich trimmt und effiliert.
Patrick grinst fast verlegen, als er sein Konterfei im Spiegel erblickt. Links, rechts, oben, unten, passt perfekt, danke! „Ich will, dass jeder bei mir rausgeht und sich denkt: Das war jetzt speziell“, sagt Zechmeister. „Ich möchte den Männern nicht eine Frisur verpassen, die jeder hat. Das wäre zu simpel und würde mich nicht zufriedenstellen.“
Manfred heißt seit gestern übrigens auch Kienast – er heiratete Patricks Mutter am 22. 2. 2022. Ein neues Leben hat begonnen. In jeder Hinsicht.












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