22.01.2022 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Missbrauch

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Schrecklicher Verdacht. In Deutschland sollen Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, jahrzehntelang geschützt worden sein. Mutmaßlich auch von Papst Benedikt XVI. in seiner Zeit als Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger.

Zu diesem bedrückenden Ergebnis kommt ein unabhängiges Gutachten, das 497 Missbrauchsfälle zwischen 1945 und 2019 aufgearbeitet hat. Demnach sind viele pädophile Priester und Diakone auch nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der Seelsorge tätig geblieben, kirchenrechtlich wurde rein gar nichts gegen sie unternommen.

Es tut weh, sich diese systematische Vertuschung und enorme Leugnung von Schuld vorzustellen. So viele Seelen von Kindern und Jugendlichen wurden zerstört, alleingelassen in ihrem Leid. Wie kann ich mich in dieser Kirche noch geborgen fühlen?

Ich denke an Kardinal Christoph Schönhorn, der mit der ehemaligen Nonne Doris Reisinger über ihre schmerzhaften Erfahrungen gesprochen hat. An Waltraud Klasnic, die als Missbrauchsbeauftragte der österreichischen katholischen Kirche vielen Opfern eine Stimme gegeben und zu ihrem Recht verholfen hat. An die Caritas und die Telefonseelsorge. An die Pfarren, in denen so vielen Menschen geholfen wird. An die Ordensspitäler, die täglich Großartiges leisten. An Zigtausende engagierte Katholikinnen und Katholiken, die in diesem Land Gutes tun.

Das ist die Kirche, die das Vertrauen zurückgewinnen kann.

Conny Bischofberger
Conny Bischofberger
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