So, 19. August 2018

2.500 Opfer

04.05.2011 14:36

Polizei zerschlägt Schlepperring - 2 Haupttäter in Haft

Die österreichische Polizei hat einen international agierenden Schleppering gesprengt. Wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde, hat die Organisation von Juni 2003 bis August 2008 insgesamt 2.494 vorwiegend moldawische Staatsbürger in den westlichen europäischen Raum geschleppt. Der Ring dürfte dabei mindestens 7,5 Millionen Euro lukriert haben. Nachdem bereits 97 Mittäter festgenommen und verurteilt wurden, befinden sich nun aufgrund von internationalen Haftbefehlen der Staatsanwaltschaft Eisenstadt auch zwei Drahtzieherinnen aus Moldawien in Österreich in Untersuchungshaft.

Die beiden Frauen sollen von Moldawien aus die Organisation und die Schleppungen gesteuert haben und dabei pro geschleppter Person bis zu 400 Euro verdient haben. Viorca B., im Dezember 2010 festgenommen, konnte die Schleppung von insgesamt 909 Personen nachgewiesen werden. Die zweite Verdächtige, Angela M., wurde im März 2011 in München festgenommen, sie soll für 328 Schleppungen verantwortlich sein. Die beiden Frauen wurden bereits nach Österreich ausgeliefert. Beide Frauen befinden sich zurzeit in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Untersuchungshaft und werden durch die Staatsanwaltschaft Eisenstadt angeklagt.

Mindestens 2.494 Opfer
Das Landeskriminalamt Burgenland, Ermittlungsbereich Menschenhandel und Schlepperei, ermittelte mit Unterstützung des Bundeskriminalamtes seit Juni 2003 gegen die international agierende Schlepperorganisation, die hauptsächlich moldawische und ukrainische Staatsangehörige über Österreich in den weiteren Europäischen Raum brachte.

Im Zuge der Ermittlungen konnten mehr als 140 zum Großteil bereits bekannte und identifizierte Täter, die sich vorwiegend in Moldawien, Rumänien, Ungarn und Österreich aufhielten, mit dem Schlepperring in Verbindung gebracht werden. Sie führten untereinander vernetzt und organisiert die Schleppungen durch, bei denen bis zu 50 Personen wöchentlich geschleppt wurden. Laut Angaben der Polizei könne aber von einer weit höheren Dunkelziffer ausgegangen werden, weshalb die ohnehin hohe Zahl an Geschleppten von 2.494 lediglich eine Mindestzahl darstelle, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde.

3.000 bis 6.000 Euro Schlepperlohn
Die Geschleppten hatten der Organisation einen Schlepperlohn in der Höhe von 3.000 bis 6.000 Euro je nach Art und Dauer der Schleppung, zu bezahlen. Der Schlepperring konnte somit mindestens 7,5 Millionen Euro erwirtschaften, wobei auch hier die Dunkelziffer vermutlich weit höher anzusetzen sei, berichtete die Sicherheitsdirektion Burgenland am Mittwoch.

Zielländer der Organisation waren neben Österreich vorwiegend Italien, Frankreich, Belgien sowie Spanien. Die Schlepperrouten verliefen dabei von Moldawien, der Ukraine über Rumänien nach Ungarn, die Slowakei oder Polen weiter nach Österreich und Deutschland und von dort schließlich in den weiteren EU-Raum. In allen genannten Ländern befanden sich Mittäter.

Bei den Schleppungen kam eine breite Palette an Methoden zum Einsatz: Versteckt oder offen mittels Fahrzeugen, auf Donau-Linienschiffen von Budapest und Bratislava aus mit gefälschten spanischen Dokumenten, versteckt in Personen- und Güterzügen von Ungarn nach Österreich aber auch mittels Fußschleppungen über die grünen Grenzen und unter Verwendung von falschen und gefälschten ausländischen Reisedokumenten.

Vergewaltigungen, Drogenhandel und Einbrüche
In Österreich wurden insgesamt 54 und im Ausland (vorwiegend Ungarn) 43 Mittäter und Organisatoren im Rahmen der Polizeiaktion von Juni 2003 bis August 2008 dingfest gemacht. Die in Österreich festgenommenen Täter wurden von den Landesgerichten Korneuburg und Eisenstadt bereits zu unbedingten Haftstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt. In Ungarn wurden die Täter zu unbedingten Haftstrafen mit bis zu zehn Jahren verurteilt. Neben den Schleppungen konnten auch Straftaten wie Vergewaltigungen, Einbruchsdiebstähle, zahlreiche Urkundendelikte und Körperverletzungen sowie Suchtgiftdelikte in Österreich festgestellt bzw. aufgeklärt werden.

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