Zeitgeschichte Steyr

„Ich will Kindern und Müttern Würde zurückgeben“

Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in „fremdvölkische Kinderheime“ gesteckt. Auch in Steyr-Münichholz gab es eines, das der Historiker Martin Hagmayr vom Museum Arbeitswelt erforscht. Er bittet nun die Bevölkerung um Mithilfe.

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„Ich will betroffenen Müttern und Kindern von damals ihre Würde zurückgeben, indem ich ihre Geschichte erzähle“, betont Martin Hagmayr, Historiker im Museum Arbeitswelt und Mitglied im Mauthausen Komitee Steyr. Er forscht rund um ein „fremdvölkisches Kinderheim“ in Steyr-Münichholz, eine Todesanstalt: „Ich entdeckte im Stadtarchiv die Namen verstorbener Kinder. Sie waren bei ihrem Tod zwischen drei und 11 Monate alt.“ Über die Sterbeurkunden war es möglich, biografische Informationen zu den Müttern zu bekommen und die Adresse des Heims sowie sein Bestehen zeitlich einzugrenzen. Das Gebäude gibt es heute nicht mehr.

Grausames Vorgehen
Im „fremdvölkischen Kinderheim“ waren Kleinkinder untergebracht, deren Mütter aus der Sowjetunion und Polen stammten und die man zur Zwangsarbeit in der Industrie im damaligen Gau Oberdonau zwang. Die Kinder wurden in Oberösterreich geboren, den Müttern aber sofort abgenommen.

Fotos und Erinnerungen gesucht
„Den genauen Ablauf kennen wir noch nicht, da unsere Forschung noch am Anfang steht“, sagt Hagmayr, der sich nun Informationen aus der Bevölkerung erhofft: „Es ist möglich, dass es in Familien noch Erzählungen, Fotos und Dokumente in Zusammenhang mit den Kindern der Zwangsarbeiterinnen gibt.“

Sogar Überlebende könnte es geben: „Der Großteil der Kinder wurde zwischen 1943 und 1945 geboren. Das heißt, diese wären nun etwa 78 Jahre alt.“ Sollte jemand Informationen haben, kann er sich an das Museum Arbeitswelt wenden.

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