10.12.2021 08:47 |

„Krone“-Kolumne

(K-)ein Geheimnis: Sprechen Sie es einfach aus!

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, warum miteinander reden wichtig ist.

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Reden ist mehr als Blablabla. Die soziologische Forschung zeigt, dass es sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, wenn man regelmäßig mit anderen Menschen über seine Sorgen und Probleme spricht. Wenn man Menschen fragt, mit wem sie Lebensereignisse teilen, die ihnen schwer auf den Schultern lasten, nennen die Meisten Freunde oder Familienmitglieder. Tatsächlich werden gerade belastende Themen aber manchmal sogar den engsten Vertrauten verschwiegen. Aus Angst vor einem Gesichtsverlust und Verachtung, aus Angst vor den Reaktionen der Menschen, die einem wichtig sind.

Illegale Aktivitäten, Schulden oder Drogenkonsum sind dabei gar nicht die am häufigsten verheimlichten Lebensbereiche. Die drei Geheimnisse, die am häufigsten verschwiegen werden, betreffen interessanterweise laut einer US-amerikanischen Studie an der Columbia University die Sexualität: Sexuelle Untreue oder Verliebtheitsgefühle für eine Person außerhalb der Partnerschaft sowie das Sexualverhalten. Geheimnisse können auf Dauer einsam machen. Und sind obendrein anstrengend, weil man ständig aufpassen muss was man sagt.

Menschen sprechen selten offen über sexuelle Fragen und Probleme. Es braucht dafür aber natürlich auch aufgeschlossene Vertrauenspersonen, die nicht gleich jedes sexuelle Thema mit ihren eigenen Erfahrungen und Werten überfrachten. Wie meine Forschung zeigt, gibt es hier große Unterschiede zwischen den Generationen. Je jünger Menschen sind, umso mehr vertrauensvolle Gesprächspartner haben sie, mit denen sie über ihre Sexualität sprechen können. Ältere heterosexuelle Menschen in einer verbindlichen Partnerschaft oder Ehe haben im Durchschnitt die wenigsten Sozialkontakte, bei denen Sexualität Thema werden kann.

Reden hat einen schlechteren Ruf als es verdient. Ein Geheimnis mit einer ausgewählten Person zu teilen, kann entlasten und diese Vertrauensbeziehung sogar stärken. Überhaupt ist mit anderen Menschen zu sprechen wichtig für das psychosoziale Wohlbefinden. Wie kann man mit anderen Menschen in Kontakt treten, wenn man niemanden kennt, mit dem man sprechen möchte? In Wien gibt es eine „Corona Sorgen-Hotline“, bei der man tagsüber einfach anrufen und mit jemand reden kann. Österreichweit kann man auch kostenlos rund um die Uhr die Telefonseelsorge kontaktieren. Das ist nicht die schlechteste Idee. Denn manchmal fällt es leichter, mit fremden Personen Sorgen zu teilen, als mit Menschen, die man regelmäßig sieht.

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Barbara Rothmüller
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