Nein, nicht einmal in der Wolle gefärbte Schwarze, schon gar nicht überzeugte Türkise wollen einem weismachen, dass die Volkspartei mit Karl Nehammer durchstarten werde. Spitzt man die Ohren, dann könnte man zumindest eine gewisse Erleichterung heraushören - Erleichterung darüber, dass jetzt wenigstens die wichtigsten Personalien geklärt sind. Und dass nach dem Rückzug von Kurz und Blümel kein Ungemach mehr durch eventuelle weitere Chat-Veröffentlichungen, mögliche weitere Vorwürfe oder gar gerichtliche Erhebungen drohen sollte.
So hoffen Schwarze und Türkise, dass die ÖVP jetzt wenigstens den freien Fall stoppen und sich stabilisieren kann. Dass sie sich Lichtjahre von den Kurz-Traum-Wahlergebnissen jenseits der 30-Prozent-Marke entfernt haben, realisieren die meisten.
Karl Nehammer - kein Strahlemann, kein Wunderwuzzi, kein Überflieger. Aber, wie Freund und Feind zugestehen: ein Zuhörer, ein offener Mensch, keineswegs nur der strikte Hardliner, als der er sich im Innenministerium gab. Einer, der auch über die engen Parteigrenzen hinaus mit Menschen ins Gespräch kommt. Über Handschlagqualität verfügt.
Wenn er diese Qualitäten ins Kanzleramt mitnimmt, seine militärisch-polizeiliche Attitüde ablegt, zum verbindlichen und verbindenden Staatsmann wird - dann kann er die Erwartungen übertreffen.
Wenn es Nehammer so gelingt, Gräben zuzuschütten und die aktuell aufgeheizte Stimmung zu beruhigen - dann hat er, dann hat das Land gewonnen.
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