Wirbel im Burgenland

Kein Abschluss für Pädagogen ohne Impfung?

Burgenland
12.11.2021 07:00

An Österreichs Hochschulen herrscht weitgehend eine 2,5G-Regel. Selbst an der Universität Klagenfurt, wo sogar auf 2G verschärft worden ist, gibt es für Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht oder für Prüfungen Ausnahmen vom Zutrittsverbot für Ungeimpfte - mit PCR-Tests und FFP2-Masken ausgestattet oder virtuell darf man teilnehmen. Damit ist weiterhin garantiert, dass Studierende weiterkommen. Dies ist derzeit an der Pädagogischen Hochschule Burgenland aber offenbar nicht der Fall. Denn dort haben vor wenigen Tagen Teilnehmer des akademischen Lehrgangs für Freizeitpädagogik per E-Mail die Information erhalten, dass der für einen erfolgreichen Abschluss notwendige Schwimmkurs nur von Geimpften oder Genesenen besucht werden könne.

Als Grund wird die Tatsache angeführt, dass das Hallenbad in Eisenstadt nur Geimpften oder Genesenen Zutritt gewährt. „Für all jene, die an der Lehrveranstaltung Schwimmen nicht teilnehmen können, ist die Teilnahme an der Abschlusspräsentation und somit ein Abschluss des Hochschullehrganges im Februar 2022 leider nicht möglich“, heißt es in dem Schreiben, das hohe Wellen geschlagen hat. Denn als einzige Alternative wird auf das Sommersemester verwiesen. „Aber wer garantiert, dass dann die Maßnahmen gelockert werden?“, fragt Gabi H. (Name von der Redaktion geändert), eine der Betroffenen, im Gespräch mit krone.at.

Besonders ärgert es die 38-jährige Burgenländerin, dass nach mehrmaligen Terminverschiebungen für die beiden wichtigen Schwimmeinheiten, im Rahmen derer der Helferschein erlangt werden kann, nun alle vor vollendete Tatsachen gestellt würden und nun eine „indirekte Impfpflicht“ herrsche. Studienkollegin Sara W. (Name ebenfalls von der Redaktion geändert) weist darauf hin, dass sie den Abschluss im Februar unbedingt benötige, damit ihr Arbeitgeber das bisher immer auf ein Jahr befristete Beschäftigungsverhältnis in ein unbefristetes umwandelt. Sie möchte sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen.

Studentin: „Man könnte privates Schwimmbad mieten“
Für H., die an einer Privatschule im Burgenland als Nachmittagsbetreuerin tätig ist, ist die E-Mail der Studienleitung symptomatisch für den bisherigen Umgang mit den Studierenden. „Organisatorisch wurden wir oft verwirrt und uninformiert im Dunkeln gelassen. E-Mails wurden sporadisch beantwortet. Wir haben uns nie wirklich vertreten gefühlt“, meint die 38-Jährige. Sie versteht auch nicht, dass es wirklich keine anderen Lösungsvorschläge gibt: „Man könnte ja ein privates Schwimmbad für die Lehrveranstaltung mieten. Wir sind auch unter der 25-Personen-Grenze, ab der bei Veranstaltungen 2G gilt.“ Den Helferschein habe sie im Übrigen bereits mehrmals beruflich gebraucht und nicht nur für den Abschluss, meint H..

Mit den Vorwürfen konfrontiert, betonen sowohl das Rektorat der Pädagogischen Hochschule als auch die Studienleitung, dass es ein wichtiges Anliegen sei, den Abschluss für alle bis Februar zu ermöglichen. Man geht auch davon aus, dass im Jänner nicht mehr so strenge Regeln herrschen werden. All jene, die aus gesundheitlichen Gründen keine Corona-Impfung erhalten dürfen, reicht auch ein PCR-Test mit einer entsprechenden ärztlichen Bestätigung für die Teilnahme des Unterrichts im Hallenbad, wie Studienleiterin Sabine Haider gegenüber krone.at erklärt. Sie versteht aber auch den Ärger.

Rektorin: „Schwimmkurs ist wichtig, es geht um Leben der Kinder“
Rektorin Sabine Weisz hofft ebenfalls darauf, dass im Jänner die Pandemie es zulässt, wieder unter normaleren Bedingungen zu arbeiten. Gleichzeitig könne sie auch keinen Abschluss gestatten, wenn der Schwimmkurs im Ausmaß von zwei Einheiten von je vier Stunden nicht absolviert worden sei. „Ich traue mich nicht, Pädagogen ein Zertifikat auszustellen, die nicht entsprechend auf Betreuung von Kindern im Wasser und in der Nähe von Gewässern geschult sind. Da geht es um das Leben der Kinder.“ Weisz gibt aber auch zu, dass es „nicht ganz gut gelaufen ist“ mit all den Verschiebungen von Lehrveranstaltungen. Diese seien pandemiebedingt, aber auch deswegen erfolgt, weil das Hallenbad in Eisenstadt wegen Umbaus monatelang geschlossen gewesen sei. „Das Bad hat erst am 8. Oktober wieder aufgesperrt.“

Mangelnde Reisebereitschaft?
In einem weiteren Schreiben der Studienleiterin, das krone.at vorliegt, ist auch von einer „mangelnden Reisebereitschaft“ seitens der Studierenden die Rede. Aus diesem Grund habe man noch vor der bundesweiten 2G-Pflicht keine alternativen Orte vorgeschlagen. Dies wiederum lassen die Studierenden nicht gelten. „Wir haben immer wieder unsere Wochenenden neben Eisenstadt auch in Oberwart, Güssing und Wr. Neustadt verbracht“, erinnert sich H. Nachsatz: „Wenn der Schwimmkurs so wichtig ist, dann hätte man schon in den vergangenen Monaten nach Alternativen gesucht und nicht bis kurz vor Schluss gewartet.“

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