Einen schönen Montagabend.
Auf der nach unten offenen Seuchen-Skala hat Corona in Österreich mehrere Härtegrade. Wir haben das „Die Pandemie ist gemeistert“ von Sebastian Kurz und parallel dazu das „Die Pandemie ist vorbei“ von Gernot Blümel, Alexander Schallenberg sieht wiederum eine „Pandemie der Ungeimpften“, während Wolfgang Mückstein sagt: „Die Pandemie ist nicht vorbei“. Das ist einerseits verwirrend, andererseits ist für jeden etwas dabei - sogar überlappend, man kann also von Montag bis Freitag beim Homeoffice den Mückstein machen und am Wochenende bei eintretender Partylaune den Blümel. Ob das in den Nachtclubs hilft, wage ich nicht zu beurteilen. Und so bereitet das in der Kommunikation geeinte Österreich den Lockdown für Ungeimpfte vor. Die Regeln werden knallhart sein: Wie bei den vergangenen Lockdowns darf das Haus nur noch verlassen, wer will. Wer dagegen verstößt, wird nicht kontrolliert. In der Gastronomie wartet die härteste Türpolitik seit Martin Ho: Eintritt wird nur noch jenen gewährt, die irgendeinen Wisch herzeigen (Einkaufszettel, Serviette, Klopapier, Parkticket). Es wundert mich, dass es nicht schon lange Schlangen vor den Impfstraßen gibt.
Morgen berichten wir in der Wiener „Krone“ und auf krone.at noch einmal über die abgesagten Silvesterfeiern. Corona-Demos und Christkindlmärkte sind erlaubt, der Silvesterpfad aber wurde abgesagt. Das Virus unterscheidet also nicht nur zwischen Geimpften und Ungeimpften, wie unser Gesundheitsminister gerne sagt, sondern auch zwischen Christkind- und Neujahrfans. Überraschend ist das nicht, Corona kann ja auch Abgeordnete von Nicht-Abgeordneten auseinanderhalten, denn während 3 G an echten Arbeitsplätzen vorgeschrieben ist, gibt es für das Parlament eine Ausnahme. Genauso wie Discobesucher geimpft sein müssen, Discomitarbeiter aber nicht. Mich beschleicht langsam der Verdacht, dass Corona gar nicht so klug ist, dass die Intelligenz, die einige dem Virus zuschreiben, am Ende nur bei den Maßnahmen fehlt.
Fazit: Wir müssten einfach viel mehr auf Herbert Kickl hören. Der FPÖ-Chef hat heute bei einem Medientermin vor einer schlimmen vierten Welle gewarnt. Schuld daran ist für ihn aber nicht die mangelnde Impfbereitschaft, sondern vor allem die Regierung, die auf die Impfung setzt. Das klingt logisch. Dr. Kickl empfiehlt vielmehr ein Mittel namens Ivermectin, das man normalerweise einnimmt, wenn es sich ein Parasit in einem gemütlich gemacht hat. Woher Kickl ein Faible für Zwergfadenwürmer hat, wird sein Geheimnis bleiben, das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen warnt jedenfalls vor diesem Mittel. Aber was wissen die schon? Die Nebenwirkungen laut Ärzten: Müdigkeit, Schwäche, Bauchschmerzen, Appetitmangel, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen. Mich hat Kickl jedenfalls überzeugt, ich werde die Arznei ohne Rücksprache mit einem echten Arzt präventiv einnehmen. Denn die oben beschriebenen Symptome hatte ich nach der Pressekonferenz sowieso schon.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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