Aufgrund der Dürre neigen sich die Futterreserven vieler Rinderbauern dem Ende zu – so auch am Bio-Betrieb von Gertraud Zeiringer. Schon im Frühjahr musste sie zwei Kühe verkaufen. Um die Landwirte vor weiteren Verlusten zu retten, wird jetzt eine Futtermitteloffensive gestartet.
„Der Regen hat uns seit dem Frühjahr verlassen“, sagt Gertraud Zeiringer. Die 69-Jährige bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Junior Johannes einen Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung in Sankt Lorenzen im Mürztal. Und das schon seit mehr als 30 Jahren: „Miseren gab es immer wieder, aber in den letzten fünf bis zehn Jahren sind die Sommer immer heißer und trockener geworden.“
Die Lage der Rinderbauern ist ernst. Die noch nie dagewesene Trockenheit lässt die Wiesen und Weiden verdorren, Heu und Silage werden zu raren Gütern. Betriebe müssen ihr Vieh teils verkaufen – zu einem Spottpreis, denn das Kilo Fleisch wird von Woche zu Woche weniger wert.
Wir können ja nicht schon jetzt unsere Wintervorräte verfüttern.
Bio-Bäuerin Gertraud Zeiringer
Gott sei Dank hat Zeiringer früh genug eingelenkt: „Wir können ja nicht schon jetzt unsere Wintervorräte verfüttern“, sagt die erfahrene Bio-Landwirtin. Schon im Mai verkaufte sie zwei ihrer knapp 30 Muttertiere an den Schlachter – immerhin alte Kühe. Einige Siloballen aus den Vorjahren holte sie aus dem Notvorrat, zusätzlich kaufte sie zwei Züge Heu und Silage zu. „Zum Glück habe ich mich frühzeitig gemeldet, mittlerweile bekommt man fast nichts mehr.“
Futtermitteloffensive gestartet
In der Not startete die Landwirtschaftskammer eine Futtermitteloffensive: Unter anderem werden Ackerbauern, deren Maisbestände ohnehin unter der Trockenheit leiden, dazu aufgerufen, diese frühzeitig zu silieren und an Rinderbauern zu verkaufen. Im Gegensatz zu manch schwindligen Kaufangeboten, die sich aktuell auf Facebook finden, vermitteln hier verlässliche Partner: der Maschinenring Steiermark, der Obersteirischer Maschinenring und Bio Austria.
„Wir haben bereits mehrere hundert Heu- und Silageballen an Biobetriebe mit Futtermangel vermittelt. Aktuell akquirieren wir benötigte Maissilage von Bioackerbauern für unsere Biomilchbetriebe, damit sie in dieser schwierigen Zeit ausreichend Grundfutter für ihre Milchkühe zur Verfügung haben“, sagt Thomas Gschier, Obmann von Bio Austria Steiermark.
Wir haben bereits mehrere hundert Heu- und Silageballen an Biobetriebe mit Futtermangel vermittelt.

Thomas Gschier
Obmann Bio Austria Steiermark
Bild: ALEXANDER DANNER
Bäuerin Zeiringer ist dankbar für die „große Hilfe“ des Bio-Ernteverbands und hofft, jetzt über die Runden zu kommen. Auch die Eigenproduktion kurbelt sie hoch, um noch möglichst viel Heu aus ihren Wiesen zu holen. „Erst vor Kurzem haben wir unseren Rinderbestand erneuert. Wir wollen unser Vieh nicht hergeben müssen!“
Die aktuelle Trockenperiode trifft längst nicht nur die Rinderbauern, sondern „alle Betriebe, die raufutterverzehrende Tiere wie Pferde, Schafe und Ziegen oder Alpakas halten“, erklärt Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger. Auf Almen wird sogar das Wasser knapp, teils muss Nachschub mühsam hinauftransportiert werden. „Auch erste verfrühte Almabtriebe bahnen sich an.“
Schlaflose Nächte erleben momentan auch Schweinebauern – und nicht nur wegen Dürre und Futtermangel. Nachdem China wegen der Afrikanischen Schweinepest ein weitgehendes Importverbot über Spanien verhängt hat, flutete spanisches Billigfleisch den österreichischen Markt. Seither befinden sich die Preise im Sinkflug. Schweinebauern bekommen nur noch etwa 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht.

Gleichzeitig werden die Anforderungen in Sachen Tierwohl verschärft – für das Ende der Vollspaltenböden gilt eine Übergangsfrist bis Juni 2034. „Die Situation ist sehr ernst. Unsere Betriebe produzieren unter hohen Standards. Um diese Produktion langfristig abzusichern, brauchen wir einheitliche EU-Standards, eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung und die Solidarität der Konsumenten durch den Griff zu heimischen Lebensmitteln“, sagt Steinegger.
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