27.09.2021 10:48 |

Lange verschont

Corona bedroht nun auch Australiens Ureinwohner

Lange wurden Australiens Ureinwohner von Covid-19 verschont. Die kleinen Orte im Outback, in denen viele von ihnen leben, galten als isoliert und sicher. Aber die Delta-Variante hat alles verändert - mit schlimmen Folgen für die Aborigines. Die Situation ist auch aufgrund der beengten Wohnsituationen oft schwierig, viele größere Orte liegen Hunderte Kilometer vom Outback entfernt. Die Indigenen des Kontinents gelten überdies auch aus medizinischer Sicht als stärker gefährdet.

Wilcannia mitten im Outback: Im bevölkerungsarmen Westen des Bundesstaates New South Wales stehen mehrere Dutzend Wohnmobile. In ihnen sind Kontaktpersonen derer untergebracht, die sich mit Covid-19 infiziert haben. Die Regionalregierung hat sie bereitgestellt, um die Situation vor Ort wieder unter Kontrolle zu bekommen. Etwa 70 Prozent der hiesigen Bevölkerung sind Indigene.

Impfkampagne als Lösung
„Wir haben 650 Einwohner und insgesamt 146 Corona-Fälle, davon 37 aktuell Infizierte“, sagt Jenny Thwaites, Geschäftsführerin des Wilcannia Local Aboriginal Land Council, der Deutschen Presse-Agentur. Zum nächstgrößeren Ort Broken Hill sind es knapp 200 Kilometer, nach Sydney fast 1000 Kilometer. Der Ort hat nur ein kleines Krankenhaus. Covid-Patienten mit schweren Verläufen werden vom Royal Flying Doctor Service nach Broken Hill oder in die südaustralische Stadt Adelaide geflogen. Eine langfristige Lösung kann nur eine schnelle, flächendeckende Impfkampagne bringen.

Wohnraummangel heizt Pandemie an
In Enngonia, einer weiteren Outback-Gemeinde an der Grenze zu Queensland, hatten sich zwischen August und September innerhalb von drei Wochen 30 Prozent der Einwohner infiziert, so Michelle Ostwald von der dpa. Die Ausbrüche zeigen ein größeres strukturelles Problem auf, das in vielen Outback-Orten besteht: Wohnraummangel. Die Folge sind überbelegte Unterkünfte. Aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr kann sich das Virus leicht ausbreiten, eine Isolation der Kranken ist kaum möglich. 

Australiens Indigene stärker gefährdet
Auch aus medizinischer Sicht sind Australiens Ureinwohner stärker gefährdet als die nicht-indigene Bevölkerung. Eine Studie unter der Leitung der Australian National University (ANU) in Canberra hat bestätigt, dass Aborigines im Impfprogramm als Gruppe priorisiert werden müssen. „Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ist in dieser Bevölkerungsgruppe höher“, erklärt Jason Agostino, Allgemeinarzt und Epidemiologe an der ANU.

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Indigene Australier leiden häufiger unter Diabetes und chronischen Herz- oder Nierenleiden. Und wir wissen, dass Menschen mit Vorerkrankungen bei einer Corona-Infektion besonders gefährdet sind.

Jason Agostino, Allgemeinarzt und Epidemiologe an der ANU

Delta-Variante veränderte Bewusstsein
Am Anfang der Pandemie wären ganze Orte im Outback zum Schutz der indigenen Bevölkerung geschlossen worden. Das habe die Ureinwohner lange geschützt. Doch im Juni veränderte sich die Lage wegen der ansteckenden Delta-Variante: Die Zahl der indigenen Covid-Infizierten in Down Under stieg schnell auf 150, mittlerweile sind es über 2500 Fälle.

Notwendigkeit für Impfung lange nicht erkannt
Obwohl Aborigines von Anfang an als priorisierte Gruppe Zugang zu Impfstoffen hatten, haben Recherchen des australischen „Guardian“ Anfang September gezeigt, dass die Impfquote bei nicht-indigenen Australiern bis zu 20 Prozentpunkte höher ist als bei Indigenen. Grund: Fehlinformationen und Skepsis trugen zur Impfmüdigkeit bei und gerade in Covid-freien Gegenden wurde die Notwendigkeit für eine Impfung lange nicht erkannt. Nun soll eine Kampagne die Impfungen auch in den entlegensten Orten vorantreiben.

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