Dutzende Verletzte

Jemen: Polizei feuert in Sanaa auf Demonstranten

Ausland
09.03.2011 07:20
Die Polizei im Jemen hat in der Hauptstadt Sanaa auf Demonstranten geschossen und dabei Dutzende Menschen verletzt. Sechs der Verwundeten seien in ernstem Zustand, hieß es aus Krankenhaus-Kreisen am Dienstag. Die Menschen hatten einen Rücktritt von Präsident Ali Abdallah Saleh gefordert, der seit 32 Jahren im Amt ist. Sicherheitskräfte stürmten auch die von Studenten besetzte Universität von Sanaa sowie ein Gefängnis der Hauptstadt, in dem Häftlinge revoltierten.

Bei den Demonstrationen in Sanaa hatten Polizisten und andere Sicherheitsbeamte in Zivilkleidung Augenzeugen zufolge auf die Menschen geschossen. Die Demonstranten hätten sich anderen Regierungsgegnern anschließen wollen, die seit Wochen vor der Universität in Sanaa ihre Lager aufgeschlagen haben. Streitkräfte haben auch die Universität selbst gewaltsam gestürmt. Laut Augenzeugen gingen die Soldaten mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen die jungen Männer und Frauen vor. Nach Angaben von Ärzten wurden etwa 100 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer.

Gefangene meutern
Auch etwa 2.000 Häftlinge schlossen sich den Protesten an - sie meuterten in einem Gefängnis in Sanaa. Der Aufstand sei am Montag ausgebrochen, berichtete ein Behördenvertreter am Dienstag. Die Häftlinge hätten mehrere Wachleute als Geiseln genommen und bessere Haftbedingungen gefordert. Das Sicherheitspersonal habe Tränengas eingesetzt und in die Luft geschossen. Mindestens ein Häftling kam ums Leben, 80 Menschen wurden verletzt.

Proteste in zahlreichen Städten
In mehreren Städten der Provinz Ibb beteiligten sich Zehntausende Menschen an Protesten gegen das gewaltsame Vorgehen von Regierungsanhängern. Aus den Provinzen Dhamar, Schabwa, Hadramaut und Tais wurden ebenso Proteste gemeldet. Nachdem am Montag ein junger Demonstrant von einer Kugel schwer am Kopf verletzt worden war, schloss sich am Dienstag eine Gruppe Frauen einem Protestzug in der Hafenstadt Aden im Süden des Landes an. In der etwa 60 Kilometer südlich von Sanaa gelegenen Stadt Dhamar, der Heimatstadt des Präsidenten, gingen etwa 10.000 Menschen aus Protest gegen Saleh auf die Straße.

Stammesführer sagen sich von Saleh los
In den vergangenen Wochen kamen bei Zusammenstößen zwischen Regierungsanhängern und Demonstranten im Jemen etwa 30 Menschen ums Leben. Der seit 1978 regierende Präsident gerät zunehmen unter Druck. Der Staatschef hatte nach Beginn der Unruhen in seinem Land angekündigt, nach dem Ende seiner gegenwärtigen Amtszeit 2013 nicht erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren. Mehrere einflussreiche Stammesführer hatten sich in den vergangenen Tagen mit Zehntausenden ihrer Anhänger von Saleh losgesagt. Die jemenitische Regierung wird in der Bevölkerung scharf kritisiert, weil sie den Kampf gegen Al-Kaida immer mehr den USA überlässt. Die Opposition lehnt Wahlen ab, solange nicht grundlegende Reformen umgesetzt sind.

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