21.08.2021 06:02 |

Will Zukunftsoffensive

Hannes Androsch: „Vorbilder gibt es genug für uns“

Der Ex-Politiker und heutige Industrielle Hannes Androsch hat sowohl die Regierung als auch „seine“ SPÖ kritisiert. Im Interview mit Georg Wailand wollten wir von ihm hören, welche konstruktiven Vorschläge er hat.

Androsch fordert eine Zukunftsoffensive wie in Schweden, der Schweiz, Irland oder in Singapur. „Warum“, so fragt der Ex-Politiker eingangs, „warum schaffen es die vier skandinavischen Länder, die Niederlande, die Schweiz, Irland oder Singapur, wirtschaftlich so viel besser zu sein als wir? Die sind doch auch alle in derselben Liga. Wir brauchen das Rad nicht neu zu erfinden, es genügt, das Richtige einfach nachzumachen.“

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Im Zeitalter der Digitalisierung eine Maschinen- oder Vermögenssteuer vorzuschlagen, zeigt nur, dass man die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat.

Hannes Androsch zu SPÖ-Forderungen

Die Diagnose von Androsch lässt am Gesundheitszustand des Patienten Österreich Zweifel aufkommen: „Egal, ob in der Bildung, der Wissenschaft oder beim Arbeitsmarkt – überall hinken wir nach. Apropos Arbeitsmarkt: Wir hatten schon vor Corona einen höheren Sockel von Arbeitslosen als die anderen Länder, aber zugleich haben wir 110.000 offene Stellen. Da wären Mitarbeiter in allen Qualifikationsstufen gefragt, aber es haut nicht hin. Das AMS schickt Leute zum x-ten Mal in einen Deutschkurs, völlig sinnlos – aber punkto Digitalisierung fehlt es vorne und hinten!“

Die „Verhinderer“ seien zum Teil schuld an Österreichs Rückstand: „In Hallein haben Grüne die Wildbachverbauung verhindert – mit dramatischen Folgen für die Bevölkerung. Auch der Bau der 380-kV-Stromleitung wurde jahrzehntelang verhindert, und zugleich hat man stolz verkündet, dass Österreich ,atomstromfrei' sei. Die Wahrheit ist, dass wir aus Temelin Atomstrom importierten. Und wenn jetzt in der Verkehrspolitik längst genehmigte Vorhaben wie der Lobau-Tunnel infrage gestellt werden, so ist das für mich glatter Gesetzesbruch. Dass jetzt das 1-2-3-Ticket wenigstens in einem Teil Österreichs kommt, ist okay, die Schweiz hat so etwas aber schon ungefähr seit 1898, also seit ewig.“

Ja, aber was sollte Österreich tun, um international aufzuholen? Androsch: „Ich plädiere für eine parteiübergreifende Zukunftsoffensive. Wenn wir alternative Energieerzeugung forcieren wollen, dann muss man bei den Förderungen klotzen und nicht kleckern, beim Wasserstoff etwa sind große Industriebetriebe in Österreich allesamt bereit, mitzumachen – aber auch da braucht es finanzielle Unterstützung. Alle reden vom grünen Strom - aber der muss ja erst ausreichend zur Verfügung stehen, so eine Struktur aufzubauen macht Sinn.“

In der Bildungspolitik ortet Androsch große Probleme: „Laut OECD haben 70 Prozent unserer Lehrer mit der Digitalisierung wenig am Hut - wie sollen da die Schüler internationale Standards erreichen?“

Dennoch: Wenn Österreich sich zu so einer Zukunftsoffensive entschließt, könnte in vielen Bereichen gepunktet werden: Bei der Pflege, beim Pensionssystem, in der Wissenschaft („Da gehen jährlich 8000 Top-Leute ins Ausland, weil sie dort bessere Entwicklungschancen vorfinden“) und in der Klimapolitik.

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Singapur hat zwei Universitäten, die zu den besten 20 der Welt zählen, die Schweiz hat immerhin auch eine - und in Österreich liegt die beste Uni auf dem 164. Platz.

Hannes Androsch über internationale Vorbilder

Wenn es nicht dazu kommt? Androsch rechnet eher mit Neuwahlen im kommenden Frühjahr. Und seiner Partei, der SPÖ, rät er dabei, „ja niemand von Koalitionsverhandlungen auszuschließen, diesen Fehler hat seinerzeit Vranitzky gemacht, daraus möge man gelernt haben, sich alle Optionen offen zu halten“.

Georg Wailand
Georg Wailand
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