14.08.2021 06:00 |

Geld wird weniger wert

Jeder Sparer verliert 700 Euro pro Jahr

Im Schnitt verliert in Österreich jeder Sparer im Jahr 700 Euro. Erste-Experte Thomas Schaufler im Gespräch mit der „Krone“ über die häufigsten Fehler der Anleger in Österreich und die ausgelassenen Gewinn-Chancen bei Sparplänen und Wertpapier-Fonds.

Früher, ja früher war das einfach: Da hat man gespart und hübsche Zinsen dafür bekommen, so wurde das Ersparte immer mehr wert. Und heute? Wenn man das Geld auf einem Sparbuch sammelt, weiß man eines ganz bestimmt: Es wird immer weniger wert. Denn die Banken und Sparkassen zahlen praktisch keine Zinsen mehr, die Inflation hingegen lässt den Wert der Sparsumme dahinschmelzen (siehe Grafik unten).

Thomas Schaufler, Vorstand der Erste Bank und Wertpapierexperte, im großen „Krone“-Interview mit dem Stv. Chefredakteur Dr. Georg Wailand: „Bei einer Inflationsrate von derzeit 2,8 Prozent beträgt der Verlust allein durch die Geldentwertung mindestens 6,3 Milliarden Euro.“ Aber das ist noch lange nicht alles. Schaufler: „Leider nehmen es die Österreicher hin, dass ihr reales Guthaben immer weniger wert wird.“ Im Schnitt verliert in Österreich jeder Sparer im Jahr 700 Euro.

In Finnland läuft das anders 
Anders läuft das z.B. in Finnland. Dort liegt die Rendite der privat meist in Wertpapieren veranlagten Gelder bei rund sieben Prozent - in Österreich hingegen bloß bei knapp einem Prozent. Schaufler: „Wenn ich davon ausgehe, dass in Österreich rund 385 Milliarden Erspartes fast unverzinst herumliegt, in Finnland aber sieben Prozent bringt, so bedeutet das, dass die Finnen jährlich um 17 Milliarden Euro mehr an volkswirtschaftlichem Vermögen aufbauen.“

Warum tun das die Österreicher nicht? Thomas Schaufler: „Vielfach fehlt den Kunden die finanzielle Ausbildung. Dabei wäre es so einfach. Die sollten zuerst einmal auf die GEWINN-Messe im Herbst gehen, da bekommen sie einen Überblick über die aktuellen Angebote. Dann soll man ein Sparziel definieren und in Relation zum Einkommen beginnen zu veranlagen.“

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Wer seine Ersparnisse einfach liegen lässt, wird Verluste erleiden, wer aktiv wird, kann schöne Renditen erzielen.

Über die „Feigheit“ vieler Sparer

Investmentfonds werden derzeit bevorzugt
Weil die meisten keine Aktien-Profis sind, werden derzeit Investmentfonds bevorzugt: Da wird das Geld breit gestreut veranlagt, was weniger Risiko bedeutet. Schaufler: „Wir haben heuer schon 100.000 neue Verträge dafür abschließen können.“ Häufig wird das in Form von Sparplänen mit regelmäßigen Einzahlungen gemacht. Schaufler: „Das bewegt sich zwischen 50 und 150 Euro pro Monat.“ Ein absoluter Hit seien derzeit die ESG-Fonds, also jene Veranlagung, die nachhaltig und verantwortungsvoll fürs Klima und die Umwelt getätigt wird.

Daten und Fakten

Die Inflation beträgt derzeit 2,8 Prozent, der Verlust pro Person durchschnittlich 700 Euro im Jahr.

Zehn Prozent in Aktien brächten hingegen sieben Milliarden Euro in fünf Jahren an zusätzlichem Ertrag.

Das gesamte Geld privater Haushalte (Giro-, Sparbuch etc., jederzeit verfügbar) beträgt 385 Milliarden Euro.

Das klingt ja sehr nett, aber verzichtet man dadurch nicht auf eine mögliche höhere Rendite? Schaufler: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese nachhaltigen und umweltfreundlichen Investments besonders gut abschneiden, im Vorjahr haben sie sogar 60 Prozent gebracht.“ Und Schaufler plädiert in diesem Zusammenhang dafür, derartige „gute“ Fonds mit steuerlichen Vorteilen zu versehen, um ihren Wirkungsradius noch weiter zu erhöhen.

 Kronen Zeitung
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