17.07.2021 23:36 |

Kurz dankt Helfern

Unwetter mit Starkregen - und Ende nicht in Sicht

Feuerwehreinsätze und Alarmstimmung in weiten Teilen Österreichs wegen des Starkregens: Im Bezirk St. Pölten mussten nach Rekord-Regenfällen Keller ausgepumpt und Wasser von überfluteten Straßen abgeleitet werden, in Hallein in Salzburg wurde der Ortskern überschwemmt. Bis Montagnacht dürften die Feuerwehren des Landes im Dauereinsatz stehen, denn entlang der Nordalpen werden weitere Überflutungen und Muren befürchtet. Zu kräftigen Schauern kam es auch in der Bundeshauptstadt und im Osten des Landes. Wien und Umgebung etwa wurden seit den Abendstunden von teils rekordverdächtigen Regenfällen mit vielen Blitzeinschlägen heimgesucht (siehe auch Video oben).

Tausende Blitzentladungen wurden am Samstag in Österreich registriert, Spitzenreiter dabei laut Ubimet eindeutig Niederösterreich mit über 21.600 Blitzen. Aber auch im flächenmäßig kleinsten Bundesland Wien wurden bisher rekordverdächtige 3476 Blitze gezählt.

Noch am Abend meldete sich Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) via Twitter zu Wort und bedankte sich bei den Einsatzkräften im ganzen Land für ihren Einsatz. „Wir werden die Betroffenen nicht alleine lassen und sie beim Wiederaufbau unterstützen“, so Kurz mit Blick auf die Opfer der Unwetter, die derzeit weite Teile Österreichs heimsuchen - und wie in Hallein in Salzburg teils schwere Schäden hinterlassen.

Wien war in den Abendstunden regelrecht umzingelt von Gewittern. Den Südosten der Hauptstadt erreichten zuletzt nach 20.30 Uhr Gewitterzellen von Bratislava her. Schon in den Stunden davor war über mehreren Bezirken Starkregen niedergegangen (siehe Video unten).

Auch im Westen Wiens gingen im Laufe des Abends größere Niederschlagsmengen nieder, wie auf Videos aus Währing zu sehen ist (siehes Video unten).

Bis Mittag fiel der ergiebigste Regen vor allem über St. Pölten - in der Stadt wurden bereits rund 83 Liter pro Quadratmeter verzeichnet. Am Buchberg und in Kirchberg an der Pielach in St. Pölten Land fielen bis zu rund 74 Liter. Binnen drei Stunden stellte St. Pölten damit laut Wetterblog.at gleich mehrere Niederschlagsrekorde auf - den des höchsten Juli-Tagesniederschlags seit Beginn der Messungen 1894, die höchste Juli-Niederschlagssumme pro Stunde und die höchste Menge an Regen, der binnen drei Stunden gefallen ist.

Erste Feuerwehreinsätze in Niederösterreich
Der starke Regen samt Gewittern führte im Bezirk St. Pölten am Vormittag zu rund 50 Feuerwehreinsätzen. Rund 222 Einsatzkräfte waren damit beschäftigt, Keller auszupumpen und das Wasser von Straßen abzuleiten, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando. Zu Mittag entspannte sich die Lage, in St. Pölten und Wilhelmsburg wurden aber vorsorglich Maßnahmen für den Hochwasserschutz getroffen. Niederösterreichs Feuerwehrsprecher gab vorsichtige Entwarnung: „Unsere Einsatzkräfte stehen zwar Schaufel und Sandsack bei Fuß, wir rechnen aber nur mit kleineren Überschwemmungen.“

Temperaturen liegen vor allem im Osten bei mehr als 25 Grad
Die Alarmbereitschaft im Land bleibt den restlichen Tag und am Sonntag aufrecht. An den heimischen Flüssen ist die Lage derzeit zwar noch ruhig, das wird sich laut Unwetterzentrale in den kommenden Stunden bis inklusive Sonntag vor allem an der Alpennordseite zwischen Reutte in Tirol und Mariazell ändern. Die bei solchen Ereignissen sehr flut-volatilen Flüsse Enns und Steyr werden beobachtet, für die Gebiete entlang der Donau werden aber keine Überschwemmungen erwartet.

Die Temperaturen bleiben dabei hoch - trotz des Wetterumschwungs hat es vielerorts über 20 Grad, in Niederösterreichs großteils sogar an die 30 Grad.

Österreich
Wetterdaten:

Zu größeren Niederschlagsmengen kam es am Samstag auch in Teilen des Burgenlands, etwa im Bezirk Oberwart, wie Aufnahmen beim Badestausee Rechnitz deutlich machen.

Tief schaufelt feuchte Luftmassen zu den Alpen
Grund für den Starkregen ist ein Höhentief, das sich in Richtung Balkan verlagert. Der Innsbrucker Meteorologe Christian Zenkl erklärte der „Tiroler Krone“, was sich derzeit in der Atmosphäre abspielt: „Ein hochreichendes Tief schaufelt feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus dem Bereich Ostsee im Gegenuhrzeigersinn zu den Alpen. Von Nordosten wird die feuchte Luft dorthin gedrängt. Zusätzlich ist die Atmosphäre im Sommer ohnehin schon labiler aufgebaut als zur kalten Jahreszeit. Durch das Tiefdruckgebiet wird die Konvektion, das Aufsteigen der Luftmassen, nochmals gefördert.“

Größte Regenmengen entlang der Nordalpen
Die Folge ist kräftiger Regen entlang der Nordalpen. Durch eingelagerte Starkschauer sowie auch Gewitter kann es punktuell zu großen Regenmengen in kurzer Zeit kommen. Entlang der Nordalpen werden die größten Regenmengen erwartet - in einem Kernbereich vom Kaiserwinkel über die Stadt Salzburg bis in die Eisenwurzen können in Salzburg sogar bis zu 150 mm Niederschlag pro Quadratmeter fallen, punktuell in Österreich sogar bis zu 200 mm.

30-jährliches Hochwasser in Tirol möglich
Starkregenwarnungen wurden für Salzburg, Tirol und Oberösterreich ausgesprochen. In Tirol könnte sogar ein 30-jährliches Hochwasser möglich sein: Aufgrund der Menge der Niederschläge seien in den Schwerpunktgebieten der Brixentaler Ache und Kitzbüheler Ache auch Hochwasser nicht auszuschließen, die statistisch gesehen nur alle 30 Jahre vorkommen.

Vorarlberg dürfte die Unwetterfront überstanden haben: „Wir sind offenbar mit einem feuchten Auge davongekommen“, meldete sich „Krone“-Fotograf Dietmar Mathis aus Vorarlberg. Zuvor hatte es etwa bei Kennelbach überflutete Straßen gegeben.

Harald Dragan
Harald Dragan
Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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