17.07.2021 14:32 |

Hotspot Unterland

Wetterwarnung: Auch in Tirol drohen Überflutungen!

Das verheißt nichts Gutes: Jenes Tief, das dieser Tage im Westen Deutschlands für eine Katastrophe sorgte, wird nun auch Tirol ergiebige Niederschläge bescheren. Je nach Wettermodell werden bis Montag lokal bis zu 150 Liter pro Quadratmeter erwartet - ein selten hoher Wert! Die Tiroler Feuerwehren sind in Alarmbereitschaft, denn das Land gab am Freitag eine erste Warnung heraus. Am frühen Samstagnachmittag war die Lage noch ruhig.

Der Innsbrucker Meteorologe Christian Zenkl sah sich die Wettermodelle für die „Tiroler Krone“ genauer an: „Der zeitliche Schwerpunkt der Niederschläge liegt zwischen Samstagmittag und Sonntagabend. Am meisten Regen fällt entlang der Nordalpen, hier sind verbreitet um 40 bis 100 Liter wahrscheinlich. Vom Tiroler Unterland ostwärts sind punktuell auch Summen nahe der 200 Liter möglich.“

Die ZAMG verhängte für einen Streifen, der am Nordrand der Alpen vom Tiroler Unterland bis nach Niederösterreich reicht, die orange Alarmstufe. Das bedeutet: „Achtung, die aktuelle Wettersituation kann zu Beeinträchtigungen des Alltages führen und/oder Schäden verursachen. Verfolgen Sie die aktuellen Wetterprognosen!“ Die Skala ist vierstufig (grün, gelb, orange, rot).

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Ein hochreichendes Tief schaufelt feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus dem Bereich Ostsee im Gegenuhrzeigersinn zu den Alpen.

Meteorologe Christian Zenkl

Dauerregen zudem von Gewittern begleitet
Meteorologe Zenkl erklärt, was sich in der Atmosphäre abspielt: „Ein hochreichendes Tief schaufelt feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus dem Bereich Ostsee im Gegenuhrzeigersinn zu den Alpen. Von Nordosten wird die feuchte Luft dorthin gedrängt. Zusätzlich ist die Atmosphäre im Sommer ohnehin schon labiler aufgebaut als zur kalten Jahreszeit. Durch das Tiefdruckgebiet wird die Konvektion, das Aufsteigen der Luftmassen, nochmals gefördert.“

Im Bezirk Kitzbühel ein 30-jähriges Ereignis?
Landesfeuerwehrinspektor Alfons Gruber erhielt Freitag um 11 Uhr eine erste Warnung des Landes. Demnach ist für den Bezirk Kitzbühel ein 30-jähriges Hochwasser zu erwarten. „Wenn die Warnungen für bestimmte Orte konkreter werden, erhält sie jeder Feuerwehrkommandant auf sein Handy“, sagt Gruber. Feuerwehrleute, Gerätschaften und Sandsäcke seien an allen Brennpunkten sofort verfügbar. Theoretisch stehen rund 22.000 Florianijünger parat.

Am frühen Samstagnachmittag war die Lage noch ruhig. Vonseiten der Leitstelle Tirol hieß es gegenüber der „Krone“, dass es noch keine Einsätze wegen der Regenfälle gegeben habe. Gerechnet wird, dass sich das aber spätestens in der Nacht ändern könnte.

Vermurungen und Überschwemmungen möglich
Neben Kitzbühel wird wohl auch der Bezirk Kufstein ein Hotspot sein. Aufgrund der zu erwartenden Niederschlagsmengen sei laut dem Land Tirol in den besonders betroffenen Gebieten im Tiroler Unterland mit einem deutlichen Anstieg der Wasserführung in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis über den Bereich der Meldemarken zu rechnen.

„In den Schwerpunktgebieten der Brixentaler Ache und Kitzbüheler Ache sind je nach Niederschlagsintensität auch Hochwasserscheitel über eines 30-jährlichen Hochwassers nicht auszuschließen. Lokal sind sehr hohe Niederschlagssummen möglich, die örtlich auch zu Vermurungen und Überschwemmungen führen können“, informieren Elmar Rizzoli von der Landeseinsatzleitung und Georg Raffeiner vom Sachgebiet Hydrographie und Hydrologie des Landes.

Andreas Moser
Andreas Moser
Hubert Rauth
Hubert Rauth
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