"Stimme" hielt ihn ab

Flüchtiger Mörder plante Selbstmord als “Bärenfutter”

Ausland
28.01.2011 07:39
Ein aus einem US-Gefängnis geflohener Mörder hat sich im Yellowstone-Nationalpark eine Heroin-Überdosis spritzen und sich dann von Bären fressen lassen wollen. Eine Stimme habe ihm jedoch im letzten Moment befohlen, das Vorhaben nicht in die Tat umzusetzen.

Wie die Polizei im Mohave County mitteilte, habe sich Tracy Province mit dem ungewöhnlichen Selbstmordplan von Angst- und Panikattacken befreien wollen, die ihn seit seiner Flucht mit zwei weiteren Häftlingen aus einem Gefängnis im Bundesstaat Arizona im vergangenen Juli verfolgt hätten. Er habe einen Berg besteigen wollen, sich ein Gramm Heroin spritzen und dann "Bärenfutter" sein wollen, sagte der Polizist Larry Matthews. 

"Eine göttliche Intervention"
Als er sich das Rauschgift injizieren wollte, habe ihm eine Stimme befohlen, den Plan abzubrechen. Daraufhin habe Province versucht, per Anhalter zu seiner Familie in Indiana zu gelangen. "Er nannte das eine göttliche Intervention", so Matthews.

Ein Sprecher des Yellowstone-Nationlparks in Wyoming, Al Nash, sagt, der Selbstmordplan hätte durchaus funktionieren können. "Wir haben einige Bären im Ökosystem", erklärt Nash. "Die fressen alles. Ein Bär wird immer eine leicht zu bekommende Mahlzeit einer schwer zu erreichenden vorziehen." 

Auf der Flucht Ehepaar ermordet?
Province und seine ihn zunächst begleitenden Mitflüchtlinge stehen unter dem Verdacht, auf ihrer Flucht in New Mexico ein Ehepaar aus Oklahoma ermordet zu haben. Province wird derzeit in Arizona wegen Flucht, Entführung, Raub und schwerer Körperverletzung der Prozess gemacht. Er hat sich in den Anklagepunkten schuldig bekannt. Nach der Verkündung seiner Strafe soll er nach New Mexico überstellt werden, wo er wegen Mordes und Autodiebstahls vor Gericht gestellt werden soll.

Verbrecherflucht hielt US-Polizei in Atem
Die Flucht am 30. Juli vergangenen Jahres war spektakulär. Province und zwei Mithäftlinge - Daniel Renwick, ebenfalls ein verurteilter Mörder, und der u.a. wegen versuchten Mordes zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilte John McCluskey - türmten aus dem Staatsgefängniss im US-Bundesstaat Arizona, nachdem ihnen Casslyn Welch, Verlobte und Cousine McCluskeys, eine Beißzange über den Zaun des Gefängnisses geworfen hatte. Durch ein Loch entkamen die drei Männer.

Daniel Renwick kam nicht weit. Zwei Tage nach der Flucht konnte ihn die Polizei nach einer Verfolgungsjagd im US-Bundesstaat Colorado stellen. Es kam zu einem Schusswechsel, Renwick gab auf.

Province konnte sich nach seiner Erfahrung im Nationalpark bis Wyoming durchschlagen. In einem kleinen Nest namens Meeteetse verbrachte er einige Tage. Zeugen berichteten dem US-Fernsehsender ABC nach seiner Festnahme, dass der 42-Jährige am Sonntag sogar in der Kirche war, mitgesungen und gebetet habe. "Er sagte, er glaube an Gott", erzählte Pastor Ron Kingston, der einige Worte mit dem Schwerverbrecher wechselte. Eine Kirchenbesucherin erkannte ihn jedoch später und rief die Polizei. Bei seiner Festnahme hatte er eine Pistole und ein Tramperschild mit der Aufschrift "Casper" bei sich - eine Stadt rund 250 Kilometer weiter südlich.

Die Fahnung nach der modernen Ausgabe von "Bonnie und Clyde" dauerte etwas länger. Erst drei Wochen nach ihrer Flucht konnte die Polizei McCluskey und Welch verhaften (siehe Infobox).

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