Aufstand in Ägypten

El Baradei kehrt zurück – Mubarak-Sohn geflüchtet?

Ausland
27.01.2011 21:40
Der ägyptische Oppositionelle und Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei ist am Donnerstagabend in Kairo eingetroffen. Der frühere Chef der Internationalen Atomenergieorganisation will sich an die Seite der Demonstranten stellen. Er soll bereit sein, eine Übergangsregierung zu führen. Laut Medienberichten soll der Sohn von Präsident Mubarak das Land bereits verlassen haben. Unterdessen toben auch im Jemen Proteste.

Bei seiner Ankunft in Ägypten wies El Baradei kritische Fragen zurück, warum er erst nach tagelangen Protesten mit mehreren Toten nach Ägypten zurückkehre: "Es ist ein Prozess." Ägypten stehe an einem Scheideweg. Der Diplomat gilt als potenzieller Herausforderer von Präsident Husni Mubarak.

"Wenn die Menschen, vor allem die jungen Menschen, möchten, dass ich den Übergang anführe, werde ich sie nicht hängen lassen", sagte El Baradei am Wiener Flughafen vor Journalisten vor seinem Flug nach Kairo. Wichtig sei aber ein "friedlicher Wechsel", betonte ElBaradei.

Opposition ruft zu Massenkundgebungen auf
Die Opposition hat für Freitag zu Massenkundgebungen in Kairo und anderen Städten aufgerufen. El Baradei rief zu friedlichen Protesten auf. Der Diplomat sagte: "Ich hoffe, die Regierung verhält sich ebenfalls friedlich." Er forderte die Behörden auf, keine Demonstranten mehr festzunehmen und zu foltern. Seit Dienstag sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, etwa 1.000 Personen wurden festgenommen.

Die bislang letzten beiden Todesopfer gab es am Donnerstag nach Kämpfen zwischen protestierenden Beduinen und der Polizei auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel zu beklagen. Augenzeugen zufolge starben ein 18-Jähriger und eine Frau. Nach dem Tod der Frau seien mehrere bewaffnete Männer zur Polizeiwache der Ortschaft Sheikh Zuwaid gestürmt und hätten diese mit Panzerfäusten beschossen.

Behörden dementieren Flucht von Mubarak-Sohn
Ägyptische Behörden haben unterdessen am Donnerstag Berichte über eine Flucht des Sohns des Präsidenten Husni Mubarak aus dem Land zurückgewiesen. Gamal Mubarak habe am Morgen an einem Treffen der Regierungspartei RCD teilgenommen, sagte ein hochrangiges Parteimitglied der Nachrichtenagentur Reuters. Der Sender CNBC hatte über eine Flucht Gamals Mubaraks berichtet. Im Internet hieß es auf mehreren Websites, er habe sich nach London abgesetzt. Viele Ägypter gehen davon aus, dass 82-jährige Husni Mubarak seinen Sohn zu seinem Nachfolger machen will.

Österreichische Reisveranstalter streichen Kairo-Ausflüge
Wegen der Ausschreitungen in Kairo haben unterdessen einige heimische Reiseveranstalter ihr Angebot an Tagesausflügen nach Kairo ausgesetzt, wie etwa TUI Austria am Donnerstag mitteilte. Das Außenamt empfiehlt "dringend", in den kommenden Tagen größere Menschenansammlungen sowie das Zentrum von Kairo und die Zentren anderer Städte großräumig zu meiden. Eine offizielle Reisewarnung für Ägypten gibt es jedoch noch nicht. Derzeit befinden sich in den Touristenzentren des Landes mindestens 1.300 Österreicher.

Volksaufstand auch im Jemen
Massenproteste gegen die Regierung toben seit Neuestem auch im Jemen. Zehntausende Menschen forderten dort am Donnerstag den Sturz von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Demonstranten versammelten sich an vier verschiedenen Orten in der Hauptstadt Sanaa. Angeführt wurden die Proteste von Mitgliedern der Opposition und Jugendaktivisten. Saleh regiert das ärmste Land der arabischen Welt seit fast 32 Jahren.

Die Hälfte der Bevölkerung des Jemens lebt unterhalb der Armutsgrenze von zwei Dollar (1,50 Euro) pro Tag und hat keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Weniger als ein Zehntel der Straßen sind geteert. Innerhalb der Regierung, deren Macht kaum über Sanaa hinausreicht, grassiert die Korruption. Die Haupteinnahmequelle des Landes, Öl, könnte in zehn Jahren zur Neige gehen. Im Jemen ist Al Kaida aktiv, im Norden und im Süden agieren unterschiedliche Rebellenbewegungen.

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