15.05.2021 09:50 |

Schock in Tel Aviv

Rakete erschüttert österreichische Botschaft

Im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern gibt es kein Anzeichen für ein Ende der Gewalt. Trotz internationaler Bemühungen um eine Feuerpause gingen die Kämpfe die fünfte Nacht in Folge weiter. Die israelische Luftwaffe setzte Samstagfrüh ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort, während die radikal-islamische Hamas von dort den Süden Israels mit Raketen beschoss. In unmittelbarer Nähe der österreichischen Botschaft in Tel Aviv schlug eine Rakete ein.

Die Mitarbeiter der Botschaft in Tel Aviv sind nach dem Raketeneinschlag wohlauf. „Glücklicherweise sind wir alle in Sicherheit“, teilte Botschafterin Hannah Liko am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Das muss sofort aufhören“, forderte sie.

Internationales Medienbüro in Gaza eingestürzt
Die israelische Armee griff dagegen am Samstag ein Hochhaus angegriffen, in der internationale Medien untergebracht waren. Das Gebäude, in dem unter anderen der katarische Fernsehsender Al-Jazeera und die US-Nachrichtenagentur Associated Press ihre Büros hatten, stürzte nach einem Raketenbeschuss ein. Der Eigentümer des Hochhauses wurde jedoch im Vorfeld von der israelischen Armee im Vorfeld gewarnt, sodass es laut Augenzeugen rechtzeitig evakuiert werden konnte. Es war das fünfte Hochhaus, das Israels Armee seit Beginn der jüngsten Eskalation am Montag zum Einsturz brachte.

Nach Angaben palästinensischer Mediziner wurden in der Nacht mindestens zwölf Menschen durch israelische Luftangriffe getötet. Eine Frau und ihre drei Kinder seien ums Leben gekommen, als ihr Haus in einem Flüchtlingslager getroffen worden sei.

Das israelische Militär erklärte, es habe Raketen-Stellungen im Norden des Gazastreifens sowie ein Gebäude des Geheimdienstes der Hamas angegriffen. In weiten Teilen Südisraels heulten in der Nacht die Sirenen und warnten vor Raketenbeschuss. In Beersheba und Ashdod wurden Gebäude getroffen, Berichte über mögliche Opfer gab es zunächst nicht.


Seit Montag wurden nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mindestens 132 Menschen getötet, darunter 32 Kinder und 21 Frauen. Rund 950 Menschen seien verletzt worden. In Israel kamen nach Angaben dortiger Behörden acht Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder. Auch ein Soldat sei unter den Toten, er sei an der Grenze zum Gazastreifen auf Patrouille gewesen sei.

Einsatz von Bodentruppen bleibt unwahrscheinlich
Israel hat dort Panzer und Infanterie zusammengezogen. Dies weckte Erinnerungen an die Konflikte in den Jahren 2009 und 2014, als auch Bodentruppen eingesetzt wurden. In israelischen Medien hieß es allerdings, der direkte Einsatz einer größeren Zahl von Soldaten sei wegen des Risikos hoher Verluste unwahrscheinlich.

Ausschreitungen in israelischen Ortschaften
Die Gefechte zwischen Israels Militär und der Hamas hatten nach Ausschreitungen in Ost-Jerusalem an der Al-Aqsa-Moschee begonnen. Die Hamas forderte am Montag ultimativ unter anderem einen Abzug israelischer Sicherheitskräfte von dort und begann nach Ablauf ihrer Frist mit den Raketenangriffen auf Jerusalem, Tel Aviv und anderen Städten. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, Häuser palästinensischer Familien in Ost-Jerusalem zu räumen. Das Land wird von jüdischen Siedlern beansprucht. Für Sonntag sind Beratungen des UN-Sicherheitsrates über die Lage geplant.

Neben dem Konflikt Israels mit militanten Palästinensern kommt es auch in israelischen Ortschaften mit arabischen Einwohnern immer wieder zu Ausschreitungen. Trotz einer Ausgangssperre in der Stadt Lod begannen am Freitagabend wieder Konfrontationen arabischer Israelis mit Sicherheitskräften, wie die Polizei in der Nacht zum Samstag mitteilte. Die Polizei sei dabei mit zwei Brandflaschen beworfen worden und habe daraufhin den Tatverdächtigen mit Schüssen am Bein verletzt und festgenommen.

Das israelische Fernsehen stufte den ersten Einsatz eines Gewehrs des Typs Ruger seit Beginn der Unruhen im israelischen Kernland als Zeichen einer weiteren Eskalation ein. Das Gewehr gelte sonst als „extremes Mittel zur Auflösung von Ausschreitungen“ in den Palästinensergebieten. Zuvor war der Polizei vorgeworfen worden, sie gehe nicht entschlossen genug gegen gewaltsame Randale arabischer Einwohner Israels vor.

Österreich zeigt Flagge, USA wollen vermitteln
Der Konflikt sorgt auch in Österreich für internationale Spannungen: Der iranische Außenminister Javad Zarif sagte einen für dieses Wochenende geplantes Treffen mit seinem Amtskollegen Alexander Schallenberg am Samstag ab. Grund dafür sei, dass auf dem Dach des Bundeskanzleramts am Freitag die israelische Flagge wehte. Diese Solidaritätsbekundung aus Österreich sei „schockierend und schmerzhaft gewesen“, erklärte sein Vize Abbas Araghchi auf Twitter. Diplomatischer reagierten die USA: Sie wollen nun offiziell zwischen Israel und den Palästinensern vermitteln und entsandten einen Botschafter nach Israel.

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