14.05.2021 06:26 |

„So lange wie nötig“

Israelische Armee feuert weiter auf Gazastreifen

Die israelische Armee hat in der Nacht auf Freitag ihre Angriffe auf den Gazastreifen weiter verschärft. Entgegen erster Meldungen dürften vorerst allerdings noch keine Soldaten in den Gazastreifen vorgedrungen sein. Die militärische Antwort auf die massiven Raketenangriffe (Videobericht oben) aus dem palästinensischen Gazastreifen auf zivile Ziele in Israel werde noch um vieles härter ausfallen, als die Terrororganisation Hamas sich das vorstellen könne, hatte es zuvor aus Kreisen der israelischen Armee geheißen. Israels Premier Benjamin Netanyahu erklärte, dass die Operation „so lange wie nötig weitergehen“ werde.

„Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an“, teilte die israelische Armee via Kurznachrichtendienst Twitter mit. Später gab man aber bekannt, doch nicht bis in den Gazastreifen vorgedrungen zu sein. Im Gazastreifen seien „keine Soldaten“, entsprechende vorherige Angaben seien auf ein internes Kommunikationsproblem zurückzuführen, teilte die Armee in der Nacht auf Freitag mit.

Auch Bewohner in der Nähe der israelischen Grenze hätten keine Anzeichen auf israelische Truppen innerhalb der Enklave gesehen - sie berichteten aber von schwerem Artilleriefeuer und Dutzenden von Luftangriffen.

Folgen Bodentruppen?
Zuvor hatte es Anzeichen gegeben, dass ein entsprechender Vorstoß Israels bevorstehe. Spezial- und Infanterieeinheiten, Artillerie und Panzer waren rund um den Gazastreifen zusammengezogen worden. Da ein Bodenkampf aber auch zu zusätzlichen Opfern auf israelischer Seite führen wird, hatten die Generäle sich einen solchen Schritt sehr genau überlegt.

Premierminister Benjamin Netanyahu hatte jedenfalls klargemacht, dass Israel massiv zurückschlagen werde: „Es wird einige Zeit dauern, aber mit großer Entschlossenheit, sowohl defensiv als auch offensiv, werden wir unser Ziel erreichen - die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen.“ Der Einsatz des Raketenabwehrsystems „Eisenkuppel“ gebe Israel Raum für Angriffe, so der Regierungschef. So seien bereits rund 1000 Ziele militanter Palästinenser beschossen worden.

Weiter Raketenhagel auf Wohngebiete
Dennoch waren die Raketenangriffe auf Wohngebiete in Israel weitergegangen. Und auch die Vergeltungsschläge der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen. Ägypten bemüht sich wie stets in solchen Situationen, zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln. Delegationen verhandelten sowohl mit den Israelis als auch mit Vertretern der Hamas und des Islamischen Dschihad, der zweiten Terrorgruppe im Gazastreifen.

Bedrohung für Israels Souveränität
Unterdessen kam es in mehreren Städten zu schweren Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis. Es gab sogar Todesopfer. Staatspräsident Reuven Rivlin sprach von einer „echten Bedrohung für die israelische Souveränität“. Die gemäßigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte Rivlin: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.“

Laut Israel 1750 Raketen aus Gazastreifen abgeschossen
Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen. Die israelische Armee reagiert auf den Beschuss mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg des Jahres 2014. Nach israelischen Angaben feuerten militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Jihad bisher 1750 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Dabei wurden in Israel sieben Menschen getötet, darunter ein Kind sowie ein Soldat.

Im Gazastreifen starben seit der Eskalation der Gewalt nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 100 Menschen. Zudem meldeten die Gesundheitsbehörden knapp 500 Verletzte.

Die israelische Armee beschoss am Donnerstag auch mehrere Gruppen von Hamas-Kämpfern, die Panzerabwehrraketen abfeuern wollten. Insgesamt vier militante Trupps seien aufgespürt und angegriffen worden. Zudem hätten Streitkräfte ein Militärgelände mit drei Vorrichtungen zum Abschuss von Panzerabwehrraketen auf einem Gelände der Hamas getroffen. Eine Anlage des Hamas-Geheimdienstes sei beschossen worden.

In Gaza-Stadt wurde ein sechsstöckiges Wohnhaus zerstört, das nach israelischen Angaben der Hamas gehörte. Auf israelischer Seite wurden nach Angaben der Polizei fünf Menschen nahe Tel Aviv verletzt, als eine von Palästinensern abgefeuerte Rakete in ein Gebäude einschlug.

Kronen Zeitung/krone.at

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