03.05.2021 13:45 |

„Großer Tierfan“

Mückstein drängt auf fairere Fleischerzeugung

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) wagt einen Vorstoß um die Haltungsbedingungen in der Fleischerzeugung zu verbessern. In seiner Funktion als Ressortchef für Tierschutz- und Konsumentenschutz möchte er sich speziell der Schweinehaltung und der Herkunftsbezeichnung widmen. Als „großer Tierfan“ wolle er sich mit dem ebenfalls zuständigen Landwirtschaftsministerium „eng abstimmen“.

Das jüngste Tierschutzvolksbegehren habe er unterschrieben, berichtete Mückstein. Dieses war im Jänner mit mehr als 416.000 Unterschriften zu Ende gegangen. Auch Mücksteins Amtsvorgänger Rudolf Anschober (Grüne) hatte die Bevölkerung aufgerufen, zu unterschreiben. Die Initiatoren sehen unter anderem die Vollspaltenböden nicht vereinbar mit den tierischen Grundbedürfnissen und fordern eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung aller tierischen Lebensmittel in Einzelhandel, Gastronomie und öffentlichen Küchen nach Tierwohlkategorie und Herkunft.

„Jeder soll selber entscheiden können“
„Mir ist es wichtig, auch im Sinne Konsumentenschutz/Tierschutz, dass die Österreicherinnen und Österreicher selber entscheiden können, was sie kaufen“, betonte Mückstein. Die ÖVP will bisher keine verpflichtende Fleisch-Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie einführen, sondern auf Freiwilligkeit setzen. Die Grünen sehen im Gegensatz zum Koalitionspartner ihren Wunsch nach einer Pflicht-Herkunftskennzeichnung, den Anschober noch kürzlich in einen Verordnungsentwurf gegossen hat, im Regierungsprogramm gedeckt.

Zwei Ministerien zuständig
Zum Thema Gastronomie müsse er nun mit Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) reden, sagte Mückstein auf Nachfrage. „Da sind einfach zwei Ministerien beteiligt und das gehört eng abgestimmt.“ Verhandlungstermin gebe es noch keinen. Er müsse auch „schauen, was bis jetzt schon gemacht worden ist“ und den aktuellen Stand erheben, erläuterte Mückstein als neuestes Regierungsmitglied der türkis-grünen Koalition.

Bürgerinitiative erfreut
Die Bürgerinitiative oekoreich, die aus dem Tierschutzvolksbegehren hervorging, zeigte sich in einer Aussendung erfreut. Mückstein greife die Kernforderungen des Volksbegehrens auf und auch Anschober habe diese Punkte auf seiner Agenda weit oben gehabt. Das Tierschutzvolksbegehren werde ab Ende Mai im Nationalrat behandelt. Die Ergebnisse eines außerparlamentarischen Konsultationsprozesses mit 18 unabhängigen Experten werden den Parlamentsfraktionen zu Ausschuss-Beginn zur Verfügung gestellt.

Vier Pfoten: Lebensmittel „keine Ramschware“
Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten kritisierte unterdessen nach Recherchen in heimischen Supermärkten „Extremaktionen“ und „Superrabatte“ zum Start der Grillsaison mit verstärkt Billigfleisch im Angebot. Wenngleich einige Geschäfte schon viel Frischfleisch aus Österreich anbieten, bleibe bei verarbeiteten Produkten die Herkunft oft ungewiss. „Lebensmittel sind keine Ramschware“, forderte Vier-Pfoten-Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck „ein generelles Verbot von Billigfleisch-Rabatten“.

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