Der Deal zwischen dem Iran und den USA steht kurz nach Inkrafttreten auf der Kippe. Teherans Militär hat am Samstag die Straße von Hormuz erneut für gesperrt erklärt. Eine Reaktion auf Israels Angriffe auf die Hisbollah im Libanon, hieß es. Die USA wollen von einer Schließung aber nichts wissen.
Das zentrale Militärkommando des Iran teilte am Samstag mit: „Hiermit wird bekannt gegeben, dass die Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr geschlossen wird.“ Dies geschehe in Reaktion auf die fortgesetzten Angriffe Israels im Südlibanon, die eine Verletzung des mit den USA getroffenen Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Krieges bedeuteten.
Die Schließung der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Meerenge sei ein „erster Schritt“, hieß es weiter. Im Falle „einer Fortsetzung der Aggression“ würden weitere Schritte unternommen, „um den Feind zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen“.
„Iran kontrolliert Meerenge nicht“
Das US-Militär wies am Samstag allerdings die Behauptungen des Iran zurück, er habe die Straße von Hormus gesperrt. Vielmehr erklärten die Streitkräfte, dass die wichtige Seestraße weiterhin offen sei, und sie die Lage überwachen würden, um sicherzustellen, dass dies auch so bleibe. „Der Iran kontrolliert die Straße von Hormuz nicht“, sagte der Sprecher des US-Regionalkommandos CENTCOM, Tim Hawkins.
Die Straße von Hormuz ist offen, betont das US-Militär auf der Plattform X:
Man werde weiter die Freiheit der Schifffahrt durchsetzen, erklärte das Regionalkommando auf der Plattform X (siehe Post oben). Der Schiffsverkehr habe am Samstag zugenommen, „während die US-Streitkräfte in diesem Gebiet weiterhin zur Wahrung der Freiheit der Schifffahrt im Einsatz waren“. 55 Schiffe mit unter anderem 17 Millionen Barrel Öl hätten die Meerenge passiert. CENTCOM zufolge ist das Militär weiter vor Ort, um sicherzustellen, dass sämtliche Abmachungen des Rahmenabkommens „eingehalten, befolgt und in vollem Umfang umgesetzt werden.“
Angriffe trotz Waffenruhe
Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz hatten sich eigentlich nach US-Angaben auf eine Waffenruhe verständigt, die am Freitagnachmittag in Kraft trat. Trotzdem kam es weiterhin zu heftigen Angriffen. Die israelische Armee und die Hisbollah machen sich gegenseitig für die Kämpfe und Verstöße gegen die Feuerpause verantwortlich. Libanesische Medien berichten von mindestens 35 Toten. Der libanesische Zivilschutz teilte mit, dass allein in der Stadt Nabatieh 16 Leichen geborgen worden seien. Laut Gesundheitsministerium wurden bei einem Luftangriff auf die Stadt Qennarit mindestens sieben Menschen getötet und 13 weitere verletzt.
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sieht eigentlich eine Waffenruhe in der gesamten Region, einschließlich des Libanons vor. Dennoch hätten israelische Kampfflugzeuge und Drohnen mehrere Ziele im Süden des Libanons und im Bekaa-Tal angegriffen, meldet die libanesische Nachrichtenagentur NNA. Israels Militär hat nach eigenen Angaben auf Geschoße reagiert, die von der vom Iran unterstützten Hisbollah abgefeuert worden seien.
Iranische Delegation reist zu Verhandlungen mit USA
Die Verhandlungsdelegation des Iran wird unterdessen in Kürze zu den Gesprächen mit den USA in die Schweiz reisen. Das sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums am Samstag staatlichen Nachrichtenagenturen zufolge. Die Delegation werde die Einhaltung der Verpflichtungen durch die USA einfordern. Der Iran habe sich an die Verpflichtungen der Absichtserklärung gehalten, erklärt der Sprecher. Die USA seien verpflichtet, Israel zur Beendigung seiner Angriffe auf den Libanon zu bewegen. Die Gegenseite müsse so rasch wie möglich die notwendigen Maßnahmen ergreifen.
US-Vizepräsident JD Vance hatte zuvor gegenüber dem Sender Fox News erklärt, dass es am Sonntag Gespräche mit dem Iran in der Schweiz geben könnte. Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner seien deshalb vor Ort. Er selbst werde bald in die Schweiz reisen, sagte Vance. „Ich gehe davon aus, dass ich irgendwann in den nächsten Tagen abreisen werde“, sagte er. „Aber Sie wissen ja, dass das immer ein heikles Unterfangen ist und die diplomatischen Protokolle beachtet werden müssen.“
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