Liebe Frau Köstinger:

Wir wollen wissen, was am Teller liegt!

Ministerin Elisabeth Köstinger ist bemüht, es allen recht zu tun. Doch das klappt in den wenigsten Fällen. Dementsprechend gibt es Kritik für ihr Handeln bei der Kennzeichnungspflicht, der Anbindehaltung bei Kühen und auch beim Einsatz für ein Ende von Tiertransporten.

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„Krone“: Unsere Landwirte produzieren nachhaltig mit einem sehr niedrigen CO2 Ausstoß - wie wollen Sie diese Nachhaltigkeit stützen?
Elisabeth Köstinger: Indem möglichst viele Menschen heimische Produkte kaufen.

Wie gewährleisten Sie, dass Konsumenten erkennen, dass das Stück Fleisch vielleicht aus Südamerika kommt?
Das ist einfach: Eine lückenlose Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln muss auf einen Blick sichtbar machen, was aus Österreich kommt und was nicht.

Ist es nicht ein Betrug am Konsumenten, wenn ein importiertes Steak in Österreich nur mariniert werden muss, damit es als „Made in Austria“ deklariert werden darf? Da gebe ich Ihnen recht. Deshalb braucht es eine transparente Kennzeichnung auch bei verarbeiteten Produkten.

Anmerkung der Redaktion: Es mutet seltsam an, dass die Ministerin von Kennzeichnungspflicht spricht, gleichzeitig aber diese in der Gastronomie – in der die Hälfte des Fleisches nicht aus Österreich stammt – nicht einfordert und auf folgende Fragen dazu nur eine Sammelantwort gibt:

Minister Anschober und Konsumenten fordern die Kennzeichnung auch in der Gastronomie. Warum verwehren Sie sich dagegen? Haben Konsumenten nicht in allen Bereichen das Recht zu wissen, woher das Produkt kommt? Schulden Sie diese Transparenz nicht auch den Bauern, den Tieren und den Konsumenten? Die Angabe auf der Speisekarte, woher das Fleisch stammt, ist relativ einfach. Woran scheitert diese langjährige Forderung diverser Seiten?
Ich finde, dass wir zuerst an den großen Rädern drehen sollten. Der kleine Dorfwirt ist nicht der erste Schritt.

Stehen Sie in diesem wichtigen Punkt näher bei den Gastronomen als bei den Landwirten?
Ich stehe auf der Seite des Hausverstandes.

Blockieren Sie und Minister Anschober sich gegenseitig? (Anmerkung: Anschober fordert die Kennzeichnung in der Gastronomie, und Köstinger kritisiert Anschober bei der Kennzeichnung in der Lebensmittelindustrie.)
Der Entwurf von Anschober geht nicht weit genug. Wir wollen keine Minimalkompromisse.

Ist es nicht absurd, dass wir Billig-Schweinefleisch importieren und das in Österreich besser produzierte Fleisch nach China exportieren?
Unser Ziel ist es, dass möglich viel in Österreich produziertes Fleisch auch hier konsumiert wird. Importe und Exporte halten sich beim Schweinefleisch die Waage.

Wie lange solle es die permanente Anbindehaltung bei Kühen noch geben?
Nur noch 3,2 Prozent der Betriebe haben diese Haltungsform. Das ist ein Auslaufmodell.

Was tun Sie gegen qualvolle Schlachttiertransporte, und warum gibt es noch immer keine unabhängige Kontrollstelle? Was sind Ihre nächsten konkreten Schritt dazu?
Für Zuchtvieh müssen hohe Standards gelten, damit die Tiere wohl und gesund am Zielort ankommen. Schlachtvieh-Exporte in Drittstaaten gibt es seit Jahren nicht mehr.

"Ministerin muss handeln!"
Wir haben die Antworten von Ministerin Elisabeth Köstinger Fachleuten vorgelegt und diese um ihre Meinung gebeten. Tenor: Sie muss mehr auf die Wünsche der Bevölkerung eingehen!

Eva Persy, Tierschutzombudsfau Wien: "Die permanente Anbindehaltung ist abzulehnen und muss ein Ende finden – ohne Ausnahmen! Die von Ministerin Köstinger erwähnten „nur noch 3,2 Prozent“ stehen für 16.000 Kühe, die 365 Tage im Jahr angebunden gehalten werden. Strategien fehlen, um die bäuerlichen Strukturen zukunftsfit zu machen und eine hochwertige Produktion im Land zu halten."

Hannes Royer von „Land schafft Leben“: „Die Herkunftskennzeichnung ist längst überfällig, um endlich die von Konsumenten geforderte Transparenz zu erfüllen. Und auch ich als Bauer fordere, dass unsere hohen Tierwohlstandards im Regal, in verarbeiteten Produkten und am Teller ersichtlich sein müssen. Erst so bekommen wir als Konsumenten eine echte Chance, mitzubestimmen.“

Eva Rosenberg, „Vier Pfoten“: „Es ist inakzeptabel, dass Ministerin Köstinger jede Verantwortung an die Konsumenten abschiebt. Sie soll sich nicht immer auf andere ausreden, sondern muss endlich selbst handeln. Es stimmt auch nicht, dass die Tierschutzstandards in Österreich so toll sind. Bei der Schweinehaltung sind wir EU-weit bei den Schlusslichtern.“

Otto Auer, Bundesrat ÖVP: „Egal ob Rind, Schwein oder Geflügel — ohne Herkunftskennzeichnung in allen Bereichen wird die Umsetzung von mehr Tierwohl nicht möglich sein und die Eigenversorgung nicht mehr funktionieren. Auf jedem Lebensmittel sowie auf jeder Speisekarten muss ersichtlich sein, woher das Tier kommt. Das sind die Wünsche der Gesellschaft.“

Maggie Entenfellner, Kronen Zeitung

Das Interview in voller Länge sowie die ungekürzten Statements der Experten können Sie HIER nachlesen.

 Tierecke
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