Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller mit ein paar Fakten rund um den Tag der Asexualität.
Die Pandemie hat nicht nur punktuell zu einem Rückgang sexueller Lust geführt. Sondern sie hat auch Menschen Erleichterung gebracht, die generell keine Lust auf Sex haben. Niemand erwartet im Lockdown ein aktives Sexleben. Das entlastet besonders asexuelle Menschen.
Rund zwei Prozent der Bevölkerung haben sich bei einer Befragung zu Liebe und Sexualität in der Pandemie als asexuell identifiziert. Die meisten Menschen, die sich selbst als asexuell bezeichnen, empfinden nie (oder nur selten) sexuelle Erregung. Das kommt nicht so häufig vor. Aber immerhin jede 50. Person findet, die Bezeichnung Asexualität trifft ihre Sexualität am besten.
Oft wird angenommen, dass Asexualität gleichbedeutend mit einem Single-Leben ist. Asexuelle Menschen leben allerdings genauso häufig in verbindlichen Partnerschaften wie Menschen mit einer anderen sexuellen Identität. Möglicherweise gestalten sie aber Intimität anders. Intime Nähe in einer Partnerschaft kann, muss aber nicht Sexualität beinhalten.
Die Annahme, asexuelle Menschen wären traurige Alleinstehende, beruht auf einem Missverständnis. Singles, die über längere Zeit keinen Sex mit einer anderen Person haben, sind nicht automatisch asexuell. Auch ohne Partner-Sex kann das sexuelle Begehren lodern und leben Menschen ihre Sexualität mit sich selbst. Singles ohne sexuelle oder romantische Beziehung gibt es häufiger als asexuelle Menschen: Immerhin neun Prozent haben in den letzten zwölf Monaten keine Sex-PartnerIn gehabt - über den Pandemie-Winter wohl sogar noch mehr.
Umgekehrt haben auch asexuelle Menschen manchmal Partner-Sex - sei es, um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, oder um ihre Beziehung mit einem sexuell aktiven Partner oder einer Partnerin zu leben. Ausschlaggebend für Asexualität ist daher nicht, wie häufig man Partner-Sex hat, sondern wie viel Lust und Begehren man überhaupt verspürt. Für manche Menschen ist sexuelles Begehren anhaltend nicht vorhanden. Sie leiden nicht unter zu wenig Sex in der Pandemie und auch generell nicht darunter, dass sie asexuell sind. Im Gegenteil: Der Lockdown entlastet sie von sexuellem Erwartungsdruck. Und der verbreiteten Sexualisierung aller Lebensbereiche.
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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin
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