20.01.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Lustlosigkeit in stressigen Zeiten

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller erklärt, warum man wenig Lust auf Sex nicht persönlich nehmen sollte.

Viel ist spekuliert worden darüber, wie der Lockdown sexuelle Lust beeinflusst: Babyboom, mehr Pornos, mehr Sexspielzeug, usw. Immer wurde angenommen, dass ein Lockdown eine besonders gute Zeit für Sexualität ist - jetzt wo alle zu Hause sind und es nicht so viele Möglichkeiten gibt, in der Freizeit Spaß zu haben. Dabei hat sich für die Hälfte der Bevölkerung sexuell kaum etwas verändert. Ihre Beziehungen sind mehr oder weniger lustvoll geblieben - so wie vor der Pandemie.

Anstatt des erwarteten, erotischen Frühlings hat bereits der erste Lockdown im April 2020 bei jedem Vierten sogar dazu geführt, dass das sexuelle Begehren nachgelassen hat. Tendenz steigend: Im zweiten Lockdown hatte bereits jeder Dritte weniger Lust auf Sex als noch im Sommer. Seither beobachten einige Menschen, wie ihre Lust geringer wird. Betroffen davon sind sowohl die Lust auf Sex mit einem Partner oder einer Partnerin als auch die Lust auf Solosex, d.h. auf Sex mit sich selbst.

Dass Lustlosigkeit um sich greift, kommt für Sexualitätsforscherinnen und -forscher nicht überraschend. Denn Gründe, warum Menschen vorübergehend weniger Lust auf Sexualität verspüren, gibt es einige. Stress zum Beispiel, oder auch Ängste, Depressionen und Medikamente wie Antidepressiva sind häufig daran beteiligt, wenn sich sexuelles Begehren zurückzieht. Bei Paaren tragen Konflikte in der Partnerschaft meistens zu einem deutlichen Rückgang der sexuellen Zufriedenheit bei. Und aktuell kann auch zu viel Nähe (und zu viel Jogginghose) dazu führen, dass kaum mehr erotische Spannung in Paarbeziehungen aufkommt.

Schwierig ist das vor allem für jene sexuellen und romantischen Beziehungen, in denen eine Person gerade deutlich mehr Lust hat als die andere. Sexualität und sexuelles Begehren ist (zum Glück) nicht immer gleich. Nehmen Sie es nicht persönlich.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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