Operation „Veles“
Ukraine dringt unterirdisch in Russen-Stellung vor
Schon oft hat die Ukraine bewiesen, dass sie sich mit Erfindergeist gegen das übermächtige Russland zu wehren weiß. Jetzt sorgen die Verteidiger wieder für Aufsehen: Sie kämpften sich 15 Kilometer lang unter der Erde hinter die russischen Linien. Die Taktik hat man sich beim Feind selbst abgeschaut.
Nach Veles, dem Gott, der in der slawischen Mythologie über das Totenreich herrscht, hat die Ukraine ihre spektakuläre Operation benannt. Einen passenderen Namen hätte sie nicht finden können. Unter der Erde drangen ukrainische Soldaten vergangene Woche in russische Stellungen nahe der Stadt Kupjansk in der Region Charkiw vor. Sie machten sich eine 2022 stillgelegte Gas-Pipeline zunutze, deren Rohre in Ost-West-Richtung unter dem strategischen Fluss Oskil verlegt sind.
Russische Freiwillige beteiligt
An der Operation nahmen auch andere Einheiten, darunter russische Freiwillige teil. Zeitgleich mit dem unterirdischen Vormarsch führten ukrainische Drohnentruppen auf der Erdoberfläche Attacken auf die russischen Stellungen aus.
Mit dem Angriff konnte die ukrainische Armee der bedrängten Stadt eine Atempause verschaffen. Russische Militärblogger gehen laut dem US-Thinktank ISW davon aus, dass Russland wegen der Operation „Veles“ einige Stellungen bei Kupjansk aufgeben muss.
Das Khartiia-Korps veröffentlichte ein Video von der spektakulären Operation:
Durchgeführt wurde die Operation „Veles“ vom 2. Khartiia-Korps der ukrainischen Nationalgarde. Das Korps ist bekannt für innovative Taktiken und spielt eine Vorreiterrolle dabei, am Schlachtfeld moderne Technologien einzusetzen. Ein von der Einheit veröffentlichtes Video zeigt, wie sich Soldaten teils kriechend, teils auf Rollbrettern durch die finstere und enge Gasleitung bewegen.
Kämpfe unter der Erde
Dabei kam es unter der Erde auch zu Kämpfen: Laut dem ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurden über 100 russische Soldaten getötet sowie mehr als 30 gefangen genommen. Die Operation stärkere die ukrainischen Positionen und zeige den Russen, „dass sie auch im Raum Kupjansk die von ihrer politischen Führung vorgegebenen Ziele nicht erreichen“, so Selenskyj.
Die Taktik wurde dabei den russischen Truppen selbst abgeschaut. Sie hatten im September versucht, durch ein Gasrohr unter dem Fluss in ukrainische Stellungen vorzudringen. „Die ukrainischen Kämpfer haben diese Taktik erfolgreich weiterentwickelt, modernisiert und wesentlich ausgefeilter und technologisch fortschrittlicher gestaltet“, betonte Selenskyj.

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