07.03.2021 06:00 |

Lebenserfahrung

Wie Ex-Ski-Star Marcel Hirscher wirklich tickt

Unser Ex-Ski-Superstar im sehr reflektierten Gespräch über sein „altes“ und sein „neues“ Leben, das Vatersein, dass es ihm an nichts fehlt und dass das Beste bei ihm noch kommt.

Am Dienstag feierte der erfolgreichste Skifahrer aller Zeiten seinen 32. Geburtstag. Marcel Hirscher ist seit seinem Rücktritt Privatperson, lebt mit Frau und Kind zurückgezogen, gibt nur selten Einblicke in sein (Seelen)Leben, so wie im am Dienstag erscheinenden „Red Bulletin“. Hier mutet der Salzburger noch erwachsener an, als er ohnehin schon immer auf uns alle gewirkt hatte.

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Nein, dieses Gefühl von „Shit, die beste Zeit meines Lebens ist vorbei!“ kenne ich überhaupt nicht. Mir geht’s genau umgekehrt: Das Beste kommt noch! Das ist mein Motto, und so lebe ich jetzt auch.

Marcel Hirscher

„Die Gleichung ,Leben = Karriere‘, die stimmt für mich nicht. Oder: Sie stimmt für mich nicht mehr. Solange ich gefahren bin, war der Tunnelblick auf den Skirennsport teilweise notwendig, um den Fokus zu halten“, sagt er über seine Sicht der Dinge.

Auch schaffte er es im Vergleich zu manchen anderen, in der Öffentlichkeit stehenden Menschen, den für sich selbst richtig erscheinenden „Cut“ zu machen. Das heißt aber nicht, dass er, als er am 4. September 2019 „Adieu Skisport“ sagte, auch „ich habe alles erreicht!“ sagte. Und scheinbar gab’s keine Verlustängste, „Nein, dieses Gefühl von ,Shit, die beste Zeit meines Lebens ist vorbei!‘ kenne ich überhaupt nicht. Mir geht’s genau umgekehrt: Das Beste kommt noch! Das ist mein Motto, und so lebe ich jetzt auch.“

„Immer g‘scheit besichtigen!“
Die, um in der Sportlersprache zu bleiben, „Ideallinie“ fürs Private fand er übrigens nicht sofort. So ehrlich ist er: „Nein, natürlich nicht. Waren schon ein paar g’scheite Einfädler auch dabei. Egal ob beim Skifahren, Motorradfahren oder von einem Lebensabschnitt zum anderen - es ist keine Schande, wenn man bei einem schwierigen Übergang die Ideallinie nicht gleich trifft: umfallen, aufstehen, besser machen. Und Regel Nr. 1 berücksichtigen ...“ Die da lautet? „Immer g’scheit besichtigen!“ Logisch!

Was Adabei - selbst zweifacher Papa - menschlich berührt, Hirscher ist kein Vater, der seinem Nachwuchs eine vorgegebene Karriere mit ins Gitterbett gelegt hat. Sein gemeinsamer Sohn mit Ehefrau Laura muss also nicht in seine Spuren im Schnee treten: „Ein bissl rumbretteln hinterm Haus tut er, aber es interessiert ihn nicht sonderlich. Er meldet sich schon, wenn“s so weit ist. Wenn nicht: auch gut.“

„Das Gute mitnehmen und das Schlechte besser machen“
Deckt sich übrigens auch mit dem Umstand, was mit seinen ganzen ÖSV-Outfits nach dem Karriereende geschah. Für seinen Nachwuchs war danach wahrscheinlich nur eine seeehr limitierte Edition über. Was blieb ihm danach? „Ehrlich? Kein einziges Stück, nichts mehr! Nach meiner Karriere war noch ein ganzes Zimmer voll, obwohl ich nach den Saisonen eh immer so viel verschenkt habe. Dann hat’s mir gereicht - Flohmarkt for free für Freunde, der Rest in Säcke für gute Zwecke. (...) Das war auch wichtig, um mit dieser Karriere abzuschließen.“

Das Credo für seine „weitere Karriere“? „Ich versuch mich an ein einfaches Prinzip zu halten: das Gute mitnehmen und das Schlechte besser machen.“

Norman Schenz
Norman Schenz
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