14.02.2021 08:08 |

Dubiose Geschäftsideen

Umweltpatente als katastrophaler Flop

„Ich dachte, die Umweltpatente retten uns!“ - das sagte Martin Pucher, der tief gefallene Ex-Chef der Pleitebank, im U-Ausschuss. Vorstandskolleginnen und Aufsichtsräte hatten ihm jahrelang geglaubt - und sind einem schweren Irrtum aufgesessen. Insider wussten viel früher, dass die „Öko-Seifenblase“ platzen wird.

Nur ein Beispiel aus der millionenschweren Traumwelt von Martin Pucher war ein als innovativ angepriesener Ölbinder. Die Marktzulassung ist 2008 erfolgt. „Die Finanzierung der Entwicklung lief von Anfang bis zum Schluss zur Gänze über die Commerzialbank Mattersburg, teilweise mittels gewährter Kredite“, so ein an dem Projekt beteiligter Mitarbeiter. Zur Abwicklung der Geschäfte wurde die Macom GmbH gegründet - mit Pucher als Geschäftsführer, 24-prozentiger Beteiligung seiner Bank und der Firma Polamar Engineering als Exklusivproduzent des Ölbinders.

Das nächste große Ziel war das Patent eines CO2-Filters. „Ohne Investor wäre das Projekt gar nicht machbar gewesen, weil die Commerzialbank die enormen Kosten für die dazu benötigte Versuchsanlage niemals alleine hätte abdecken können“, klärt ein Insider auf.

Ins Firmengeflecht rund um das Unternehmen Macom und die Commerzialbank eingebunden war unter anderem die Westerhouse Recycling GmbH. Hundertprozentiger Gesellschafter war jener Burgenländer, der mit Pucher in vielerlei Hinsicht in enger geschäftlicher Beziehung stand. Laut offizieller Erklärung hatte sich der Geschäftsmann um die Instandhaltung des SVM-Stadions und die Filialen der Commerzialbank zu kümmern. Inoffiziell wird er als Puchers „Kuvertbote“ bezeichnet. Auch hatte er für den Financier eine eigene Tankstelle errichtet. Im U-Ausschuss war der Beschuldigte erst vor Kurzem aufgefallen, weil er vieles, was er gegenüber den Ermittlern bereits zugegeben hatte, jetzt wieder abgestritten hat. Der Verdacht der Geldwäsche steht im Raum.

Viele Versprechen waren nur reine Ankündigung“
Die geistige Kraft hinter Puchers Patenten war ein deutscher Erfinder in der Nähe von Frankfurt. „Zu Beginn hatte ich noch an dessen Ideen geglaubt. Mit der Zeit wurde ein Erfolg jedoch immer unwahrscheinlicher. Viele Versprechen waren nur eine reine Ankündigung“, gibt ein langjähriger Bankmitarbeiter, der Sonderprojekte assistiert hat, einen Einblick in ein gewagtes Firmenkonstrukt. Nicht nur der Traum vom durchschlagenden Erfolg des Ölbinders auf internationalen Märkten platzte wie eine Seifenblase. Auch die Markteinführung in der arabischen Welt ging völlig schief. „Nach herben Rückschlägen in der Zeitplanung scheiterte auch noch jener Lobbyist, dem beste Kontakte etwa zur Elite in Abu Dhabi und Katar nachgesagt wurden“, teilt ein involvierter Branchenkenner mit. Feststeht: Noch bevor es zu ersten Aufträgen kommen konnte, sprangen arabische Partner ab. „Als Folge der Wirtschaftskrise“, hieß es. Viele Millionen sind weg.

Was sich noch alles hinter Puchers Scheinwelt verbirgt, werden die Ermittlungen in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Umfassende Aufklärung wird erwartet. Mit Puchers Worten: „Ich habe Vertrauen in die Justiz.“

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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