Von „sehr gut“ bis „mäßig“ zu „katastrophal“: Ein Rundruf bei Österreichs Dienstleistern und Händlern zeigt, die Öffnung mit Auflagen ist des einen Freud, des anderen (großen) Leid.
Hinfort mit der Quarantäne-Mähne: Bei Bernhard Krenn in Wien ist dieser Tage viel los. „Für die nächsten zwei bis drei Wochen sind wir ausgebucht“, sagt der Friseur. Die Kundschaft gehe mit den Zutrittstests gelassen um, lediglich die zu geringen Testkapazitäten seien mitunter ein Problem.
Durch den Mehraufwand, den die Maßnahmen mitbringen - Tests kontrollieren, desinfizieren, Abstand einhalten -, sei die Auslastung um zehn bis 15 Prozent geringer als normalerweise - aber klagen möchte Krenn nicht: „Ich höre von Kollegen, die bis zu 60 Prozent Einbußen haben, weil die Kunden nicht testen wollen. Das sehen wir zum Glück nicht.“
Man sei mit der Klientel gesegnet, so der Friseur. Ähnlich der Tenor einer Berufskollegin aus Oberösterreich. Elke Ehrenecker hat ebenfalls keine Terminabsagen - zum Glück, alles andere könne sie auch nicht nachvollziehen: „Bei Testverweigerern fehlt die Wertschätzung uns Dienstleistern und unserer Gesundheit gegenüber“, sagt sie. Denn sie habe ja die Frequenz und ist froh, dass sie durch die neuen Regeln geschützt ist.
Zutrittstests eine „bodenlose Frechheit“
Anders ist die Situation bei Isabelle Kogler in Klagenfurt. Die Kärntnerin führt einen Schönheitssalon und schätzt, dass rund sechs von zehn Kunden absagen - der Start sei also durchwachsen, sagt sie. Die gleiche Botschaft in schärferem Ton hat ihre Berufskollegin Kerry Shannon aus Wien. Sie findet, die Zutrittstests seien „eine bodenlose Frechheit“. Es sei nicht ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Menschen testen gehen, und dennoch werde sie „durch Absagen bestraft“.
Nur ein Bruchteil nehme Termine wahr, „dem Rest ist das zu mühsam“. Das Bedürfnis nach Pediküre oder Kosmetik sei nicht so stark wie jenes nach einem Haarschnitt. Ob sich das Offenhalten lohnt, könne sie erst Ende des Monats abschätzen, Optimismus klingt aber anders.
Viele Termine werden aufgrund des Testens abgesagt - dabei braucht der Mensch gerade jetzt etwas für Körper, Geist und Seele.
Sabine Bergmann, Energetikerin, Tirol
Eine ähnliche Erfahrung macht Sabine Bergmann in Tirol. Die Energetikerin verzeichnet weniger Termine als normalerweise und befürchtet ein Ausweichen ihrer Kundschaft auf Heilmasseure und Physiotherapeuten - „dabei brauchen die Menschen doch gerade jetzt etwas für Körper, Geist und Seele“.
Ein Hauch Optimismus
Der Seele etwas Gutes tun, das machen viele Menschen ja beim Einkaufen. Vor allem, wenn Prozente locken. Die Öffnung mit Auflagen läuft dementsprechend gut, erzählt Händlerin Brigitte Pokorny aus Niederösterreich. Sieben Personen dürfen in ihr Geschäft - „die Kunden halten sich auch dran“. Dasselbe gilt für die Kunden von Elke Lumetsberger. Die Floristin aus Oberösterreich bereitet sich auf den Valentinstag vor, aber ist auch darüber hinaus optimistisch: „Die Menschen haben Lust auf Blumen“ - denn auch die, so sagt sie, tun der Seele gut.
Anna-Katharina Haselwanter, Kronen Zeitung
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