11.01.2021 06:00 |

Vor Biden-Angelobung

Große Angst vor neuen Unruhen in den USA

In etwa 30.000 Geheimagenten, Polizisten und Militärs werden im Einsatz stehen, wenn Joe Biden und Kamala Harris am 20. Jänner auf den Stufen vor dem Kapitol in Washington ihre Amtseide leisten werden. Nach dem Sturm der Trump-Anhänger auf das Kapitol in der vergangenen Woche ist die Angst vor neuen Unruhen groß.

Schon bei der Angelobung von Donald Trump vor vier Jahren waren rund 28.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Im Lichte der Ereignisse der Vorwoche werden es dieses Mal wohl noch mehr sein. Denn Experten warnen bereits vor vermehrten Aufrufen zu Gewalt durch rechtsextreme Gruppen im Internet.

„Während die breite Öffentlichkeit bestürzt war über die Geschehnisse am vergangenen Mittwoch, wird in bestimmten Rechtsaußenecken das, was passiert ist, als Erfolg gefeiert“, sagte der Cybersecurity-Forscher John Scott-Railton dem TV-Sender CNN. Und Jonathan Greenblatt von der Anti Defamation League sagt, dass die Aufrufe zu Gewalt noch zugenommen hätten: „Wir erwarten stark, dass die Gewalt noch schlimmer wird, bevor sich die Lage wieder beruhigt.“

Demokraten wollen Trump-Impeachment starten
Unterdessen planen die Demokraten, im Repräsentantenhaus noch am Montag einen Antrag für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump einzubringen. Der wichtigste Anklagepunkt solle „Anstiftung zum Aufruhr“ heißen, weil Trump seine Anhänger angefeuert habe, den Kongress zu stürmen. Verurteilt werden könnte Trump aber nur im Senat - und dort ist die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht absehbar.

Zertrümmertes Geschirr
Mit der dauerhaften Sperre seines Twitter-Accounts hat Donald Trump sein allerliebstes Spielzeug verloren. Sein mit Abstand wichtigstes Kommunikationsmittel. Den Draht zu seinen Anhängern. Kaum etwas illustriert besser, wie einsam es um den noch amtierenden US-Präsidenten geworden ist.

Wie er sich wohl fühlt? Wie es seinen Mitarbeitern geht, die noch mit ihm im Weißen Haus ausharren? Seine letzten Getreuen? Aber hat Trump nach dem von ihm angestachelten Sturm auf das Kapitol abseits seiner Familie überhaupt noch Getreue? Viele werden es nicht sein. Schließlich brauchen bald alle einen neuen Job.

All das dürfte sich verheerend auf den ohnehin schon bedenklichen psychischen Zustand von Donald Trump auswirken. Er sei teils lethargisch, teils wütend, berichten US-Medien mit guten Verbindungen in das Weiße Haus.Er schreie herum. Dann sperre er sich stundenlang ein und sehe fern. Bereits kurz nach der verlorenen Wahl im November hieß es, Trump werfe im Weißen Haus mit Geschirr um sich. Ob das stimmt, ist nicht bestätigt.

Zumindest im übertragenen Sinn hat Donald Trump jedenfalls sehr viel Geschirr zertrümmert. Nicht zuletzt zu seinem eigenen Schaden. Denn der zuständige Bundesanwalt in Washington hat bereits anklingen lassen, dass er prüfe, ob Trump sich mit seinem Aufruf an seine Anhänger strafbar gemacht habe. Das Verhalten „aller Akteure“ werde geprüft.

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung

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