09.01.2021 05:00 |

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Am Pflegesektor braucht es endliche eine Lobby!

Der Titelt spiegelt die einhellige User/Lesermeinung wieder, wie wir sie im Zuge unseres wöchentlichen Pflegethemas hier auf krone.at und in Krone GESUND Printausgabe sehen.

Wenig überraschend meldeten sich überwiegend pflegende Angehörige zu Wort, die von ihrem Alltag und Schwierigkeiten berichteten. Wie etwa jene Leserin, die Folgendes berichtet: „Für mich war es selbstverständlich, meine damals 92-jährige Mutter zu betreuen. Nach mehrmonatiger Pflege zu Hause und der Ablehnung einer 24-Stunden-Betreuung seitens der Mutter mussten wir schweren Herzens für sie einen Heimplatz suchen. Was wirklich fehlt, sind Tagesbetreuungsstätten und Kurzzeitpflegebetten, die es kaum noch wo gibt, um pflegende Angehörige zu entlasten.“

„Ich würde jeder anderen Frau dringend davon abraten, die verantwortungsvolle Aufgabe der Pflege eines nahen Angehörigen zu übernehmen! Die Wertschätzung der Pflege und Betreuung ist von der österreichischen Regierung zu gering und bedarf einer wirklichen grundlegenden Reform!“ fordert etwa jene frustrierte Leserin.

Frau R. aus Wien kümmert sich um ihre 51-jährige Tochter, die eine seltene, genetisch bedingte Krankheit hat und seit 30 Jahren im Rollstuhl sitzt. Sie zeigt eine besondere Situation auf: „Meine Tochter wohnt in einer behindertengerechten Sozialwohnung (ohne reduzierte Miete), bekommt die 7. Pflegestufe und vom Sozialamt 550 Euro Mietbeihilfe. Notwendig ist jetzt eine 24-Stunden-Betreuung- Kostendafür ca. 70 Euro pro Tag! Das geht sich für sie nicht aus. Daherwar mein Gedanke, meiner Tochter aus meinen Ersparnissen die noch ausständige Summe dazu zu geben. Dieses Geld würde sich aber der Staat einbehalten, da er meint, dass dieses Geld ein persönliches (?)Vermögen meiner Tochter sei. Ein Heim kostet allerdings den Steuerzahler sehr viel mehr. Diese Regelung ist für den Patienten und hilfswillige Eltern unverständlich, juristisch und praktisch ABSURD!“

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Pflegekräfte sollen nicht für ihre Ausbildung selbst aufkommen müssen, sondern sind als gesellschaftspolitische, systemrelevante Kräfte genauso wie Polizeischüler schon während der Ausbildungszeit zu entlohnen!

Mag. Roland Nagel, Pflegeexperte

Vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV), Landesstelle Steiermark, kommt diese aktuelle Information: „In der Pflegereform von Minister Anschober wird auch das Thema ,Community Health Nurse‘ (dt. “Gemeinde-Pflegerin„) aufgegriffen. Demnach soll es österreichweit mehrere Pilotprojekte geben. Ein Projekt wurde schon vor Monaten in NÖ gestartet und ist super angekommen.“ Pflegeexperte Mag. Roland Nagel macht auf folgendem Umstand aufmerksam: „Pflegekräftesollen nicht für ihre Ausbildung selbst aufkommen müssen, sondern sind als gesellschaftspolitische, systemrelevante Kräfte genauso wie Polizeischüler schon während der Ausbildungszeit zu entlohnen! Für sogenannte Quereinsteiger ist ein Förderstipendium umzusetzen. Wie sollen sonst Interessierte diesen Ausbildungsweg beschreiten? Finanzielle Anerkennung von Zusatzqualifikationen: Pflegekräfte bestreiten häufig berufsbegleitendFortbildungen wie z. B. Wundmanagement oder Palliativpflege. Sie investieren viel Geld und Zeit aus Interesse und Engagement,verdienen nach erfolgreichem Abschluss aber exakt das gleiche wie vorher.“

Fakten-Check: Unterstützung und Versicherung

  • Pflegekarenz (unbezahlt)/Pflegeteilzeit (verringertes Gehalt): Seit 2020 besteht einmalig Rechtsanspruch für die Dauer von 2 bis maximal 4 Wochen.
  • Finanzierung einer Ersatzpflege: Während eines Urlaubs der Pflegeperson kann ein Zuschuss für eine Vertretung beantragt werden. Die Höhe hängt von der Pflegegeldstufe ab.
  • Pensionsversicherung: Eine kostenlose Weiterversicherung ist möglich.
  • Krankenversicherung: Beitragsfreie Mit- oder Selbstversicherung über den Bezugsberechtigten des Pflegegeldes ist möglich.
  • Hausbesuche und Pflegeberatung: Rechtsanspruch auf Grundlage Bundespflegegeldgesetz. Die Leistungen erfolgen nicht automatisch, sondern müssen angefordert werden! Details finden sie online.

Haben Sie Anregungen zur Verbesserung der Situation? Persönliche Erfahrungen mit dem Pflegethema? Ideen oder gar Projekte zur Selbst- oder Nachbarschaftshilfe? Sie können dies auch schriftlich tun an: Ingrid Korosec, Österreichischer Seniorenbund, Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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