Das Minutenprotokoll
„So erlebte ich den Angriff der Mullahs“
Die Touristenhochburg Dubai wurde ebenfalls von dem Flächenbrand im Nahen Osten erfasst, den die Luftangriffe der USA und Israel auf den Iran ausgelöst hatten. „Krone“-Mitarbeiterin Karoline Singer schildert detailliert die bangen Stunden für die Urlauber.
Mitten in der Nacht waren plötzlich Explosionen nahe dem Hotel zu hören, in dem Singer eigentlich einen erholsamen Urlaub verbringen wollte. „Wir wollten gerade schlafen gehen, als wir die Explosionen hören. Zwei Minuten später kam dann das Warnsignal aufs Handy“, schildert die Oberösterreicherin.
Im Hotel wurde über Lautsprecher durchgesagt, dass sich alle in die Tiefgarage begeben sollten. Trotz der Situation sei es ruhig und geordnet abgelaufen, es waren Wasserspender, Bänke und Sessel vor Ort. Auch Klimageräte wurden gebracht, da es in der Tiefgarage sehr heiß war.
Köche schnitten Obst für die Evakuierten
Die nächsten Stunden vergingen allerdings quälend langsam. „Man hörte immer wieder die Alarmmeldungen auf diversen Handys. Offensichtlich hat man nicht mit Auswirkungen auch auf Dubai gerechnet, weil aufgebaut wurde erst während der Evakuierung. Aber die Hotelmitarbeiter haben einen tollen Job gemacht, um alles so gut es geht erträglich zu machen.“ Man habe Obst gebracht, das von den Köchen extra aufgeschnitten worden sei.
0.28 Uhr: Wir hören fünf Explosionen, während wir am Zimmer sind und gerade schlafen gehen wollten.
0.30 Uhr: Notfallalarm am Handy
0.50 Uhr: Durchsage im Hotel über alle Lautsprecher, dass wir uns in die Tiefgarage begeben sollen.
0.55 Uhr: Klimageräte werden gebracht, weil es in der Tiefgarage extrem heiß ist.
0.59 Uhr: Obst wird gebracht. Die Köche haben es extra aufgeschnitten.
Dazwischen hört man immer wieder die Alarmmeldungen auf diversen Handys.
1.25 Uhr: Info, dass wir aufs Zimmer oder in der Tiefgarage bleiben dürfen.
1.31 Uhr: Wir dürfen doch nicht rauffahren. Es ging die Info über eine zweite Welle ein – und weil die letzte Explosion sehr nahe am Hotel war.
Laufend werden die Auflagen der Sonnenliegen für Babys und Menschen mit Beeinträchtigung gebracht.
2.30 Uhr: Eine Kaffeemaschine und Pölster werden gebracht. Einige Hotelgäste schlafen schon am Boden.
2.54 Uhr: Wir entdecken, dass die Küche mittlerweile sogar warmes Essen zubereitet und ein Buffet aufgebaut hat.
3.30 Uhr: Wir dürfen rauf. Wir entscheiden uns, aufs Zimmer zu gehen, packen aber noch einen Notfallrucksack und hoffen, dass wir nun zur Ruhe kommen. Geschlafen wird bei offenem Fenster, um gegebenenfalls die neuen Explosionen gleich zu hören.
Auch am Vormittag Explosionsgeräusche. Frühstück und weitere Mahlzeiten werden in die Innenräume verlegt. Der Strand ist menschenleer.
Um halb zwei Uhr früh kam die Information, dass man weiterhin nicht in die Zimmer könne, da eine zweite Welle an Raketen im Anflug sei und die letzten Einschläge – Teile von am Boden aufgeschlagenen zerstörten Raketen oder Drohnen – ziemlich nahe beim Hotel gewesen seien. Mitarbeiter brachten Auflagen von Sonnenliegen und Pölster als provisorische Betten für Babys und Menschen mit Beeinträchtigungen. Einige der Gäste schliefen da schon am Boden.
„Schliefen bei offenem Fenster, damit wir die Explosionen hören“
Gegen drei Uhr früh habe es dann sogar ein Buffet mit warmem Essen gegeben, auch eine Kaffeemaschine sei aufgestellt worden. „Kurze Zeit später konnten wir dann wieder auf unser Zimmer. Wir haben dann noch einen Notfallrucksack gepackt und bei offenem Fenster geschlafen, damit wir Explosionen gleich hören“, schildert Singer. Frühstück und weitere Mahlzeiten wurden in die Innenräume verlegt.
Auch am Sonntagvormittag wurden die Touristen von Explosionsgeräuschen begleitet. „Das dürften die Raketen sein, die in der Luft abgefangen werden“, so Singer. Der Strand – auf dem am Vortag noch zahlreiche Touristen Zeugen der ersten Raketen geworden waren – sei am Tag nach Beginn der Angriffe auf den Iran und weitere Länder menschenleer.
Zahlreiche Urlauber melden sich bei der „Krone“
So wie Singer geht es vielen in der Region – Dubai und Abu Dhabi sind beliebte Urlaubsziele. Über Social Media und Mail erreichen die „Krone“ Nachrichten von Menschen, die sich in der Region befinden. „Wir sitzen in einer Tiefgarage, schickt einen Jet“, schrieb ein User auf Instagram. Eine andere Leserin berichtet: „Der Himmel ist laut, denn Militärjets sind ständig in Bewegung und wir sehen mit freiem Auge, wie Angriffe abgewehrt werden.“
Eine Familie schrieb uns, dass sie nun in ihrem Hotel auf der Insel Palm Jumeirah um ihre Sicherheit bangen würde und hoffe, dass die Regierung in Österreich schnelle Maßnahmen in die Wege leitet: „Wir möchten so schnell wie möglich nach Hause. Für uns ist es momentan ein Horror hier, unser jüngstes Familienmitglied ist noch keine drei Jahre alt.“
Was tun, wenn man vor Ort ist?
- Ganz wichtig: Ruhe bewahren!
- Den Anweisungen des Personals oder der Sicherheitskräfte Folge leisten.
- Wichtige Dokumente (Reisepass, etc.) bei sich tragen.
- Eventuell Notfallrucksack vorbereiten, mit dem Notwendigsten (Medikamente, Wechselkleidung).
- Bei Alarm Schutzräume aufsuchen.
- Das Außenministerium ist rund um die Uhr unter der Notfallnummer +43 1 90115 4411 erreichbar.
Bangen, wie sie nach Hause kommt
Derzeit befinden sich nach Behördenangaben rund 14.000 Auslandsösterreicherinnen und -österreicher sowie etwa 400 Reisende in den betroffenen Regionen. Das Außenministerium rät Betroffenen, den Anweisungen vor Ort Folge zu leisten. Evakuierungsflüge sind aktuell nicht geplant. Auch für Singer ist noch nicht ganz klar, wann und wie genau sie nach Hause kommt: Der für Dienstag geplante Flug über Istanbul wurde gestrichen.










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