Wie geht es weiter?

Trump verheimlichte nie, dass er keinen Plan hat

Außenpolitik
02.03.2026 06:02

US-Präsident Donald Trump hat mit der beispiellosen Operation „Epischer Zorn“ den Nahen Osten erneut in Brand gesteckt. Nach diesem Wochenende ist völlig offen, wie es in der Region weitergeht. Klar scheint nur, dass den wahren Blutzoll die Iraner selbst erbringen sollen. Eine Analyse.

Nach diesem historischen Wochenende zeichnet sich laut Nahost-Experten eine bittere Realität ab: Die USA und Israel haben für den Iran keinerlei Exit-Strategie. Dies sei bereits wenige Minuten nach dem Beginn des gemeinsamen Großangriffs auf das Mullah-Regime im Iran hörbar geworden – in einer achtminütigen Stellungnahme des US-Präsidenten, mit der die Zäsur begründet werden sollte.

Darin sprach Trump die militärische Eskalation zuerst dem iranischen Atomprogramm zu. Dann ihren ballistischen Raketen. Und dann dem Herzen des Regimes selbst, den Mullahs, die nun zu Fall gebracht werden müssten.

Die USA liefern Bomben, das Volk den Rest
Trumps Aufruf an das iranische Volk war unmissverständlich: „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.“ Gleichzeitig wies er vorsichtshalber die Verantwortung von sich, falls das nicht klappen sollte: „Jetzt habt ihr einen Präsidenten (Annahme: Trump meint sich selbst), der euch gibt, was ihr immer wolltet. Wir werden sehen, wie ihr reagiert.“ Er schob nach: „Das ist – wahrscheinlich – eure einzige Chance für Generationen.“

Die gesamte Rede zum Nachhören:

Für eine höchst instabile Region setzen Trumps Berater also auf folgende Wette: Wir demoralisieren die Mullahs aus der Luft, am Boden müsst ihr selbst für Klarheit sorgen. Und tatsächlich: Kurzfristig stehen Erfolge zu Buche. Der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei konnte in einem spektakulären Unterfangen getötet werden. Neben der Führungselite wurden Raketenabschuss- und Produktionsstätten, Kommandozentralen sowie weitere strategische Infrastrukturen schwer getroffen.

Trump öffnet die Büchse der Pandora
Fakt bleibt Politologen zufolge aber: Mit diesem massiven Angriff wurde eine geopolitische Lotterie in Gang gesetzt, ohne dass ein klares Endziel oder ein Weg zur Deeskalation in Sicht scheint. Ein gesamtes Regime lediglich aus der Luft auszuschalten, ist ein enorm kompliziertes Unterfangen. Die Mullahs sind – wie ihre Waffensysteme – im ganzen Land verstreut. Im Iran wird dieses Prinzip „Mosaikverteidigung“ genannt. 

Obwohl das Regime geschwächt ist, hat es enorme Schäden in Israel und anderen Staaten im Nahen ...
Obwohl das Regime geschwächt ist, hat es enorme Schäden in Israel und anderen Staaten im Nahen Osten angerichtet.(Bild: AP/Leo Correa)

Im Kriegsfall haben Kommandeure viel Autonomie und sind auch bei dem Verlust eines Vorgesetzten handlungsfähig, schreiben Kenner der Region. Auch in seinem geschwächten Zustand verfügt das Regime immer noch über eine formidable Feuerkraft, wie die vergangenen Stunden gezeigt haben. Und das, obwohl der „Schlange der Kopf abgeschlagen“ wurde.

Wer ist „das Volk“?
Die Situation am Boden ist eine zerfahrene. Die Opposition ist völlig zerstritten. Von Einigkeit ist das Land mit knapp 90 Millionen Einwohnern weit entfernt. Stattdessen ist „das Volk“ gespalten in Monarchisten, Republikaner, Reformisten aus dem Apparat, die Volksmudschaheddin, Sozialisten und etliche andere. 

„Bomben können die Infrastruktur zerstören. Sie können Fähigkeiten schwächen und Führer eliminieren. Aber sie schaffen keine organisierten politischen Alternativen. Die iranische Bevölkerung ist unbewaffnet, zersplittert und sieht sich einem der am stärksten ausgebauten Sicherheitsapparate der Region gegenüber“, erklärte etwa Ali Vaez, ein renommierter Nahost-Analyst, in einem Blogbeitrag für „Foreign Affairs“.

Die islamistische Diktatur verfügt über schlagkräftige Zwangsinstitutionen wie die Revolutionsgarden, die Geheimdienste und die internen Sicherheitskräfte, die genau für solche Momente des Überlebenskampfes geschaffen wurden. Anfang des Jahres stapelten sich im ganzen Land die Leichen junger Menschen, weil sie es wagten, sich gegen diese institutionalisierte Brutalität aufzulehnen. 

Fraglich ist zudem, wie lange Trump diese Angriffe in der Heimat als gerechtfertigt vermarkten kann. Einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge stehen bereits jetzt lediglich 27 Prozent der US-Amerikaner hinter der Operation „Epischer Zorn“. Der Krieg werde möglicherweise noch vier Wochen dauern, erklärte Trump der britischen Zeitung „Daily Mail“. „Traurigerweise“ werde es bis zum Ende des Einsatzes „wahrscheinlich“ weitere Todesopfer in den Reihen der US-Armee geben. Am Wochenende waren es drei tote US-Soldaten.

Es regiert das Prinzip Hoffnung
Die aktuelle Vorgehensweise der US-Regierung hat kaum historische Vorbilder und ignoriert die Widerstandsfähigkeit tief verwurzelter autoritärer Systeme. Andere Szenarien als die Befreiung einer gesamten Nation aus der Luft scheinen laut Vaez wahrscheinlicher: eine offenere Machtübernahme durch die Revolutionsgarden oder ein lang anhaltender, blutiger Bürgerkrieg. 

Dazu heißt es aus den USA lapidar: Wie es nach der Luftoffensive im Iran weitergehe, wisse man selber nicht. Bodentruppen zur Absicherung eines Überganges wird es nämlich keine geben. „Nein, das ist nicht der Job des Präsidenten“, sagte der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham dem Sender NBC. Er halte nichts davon, dass man Verantwortung dafür übernehmen müsse, was man „kaputt gemacht“ habe (siehe Tweet unten).

Das klingt ignorant und nach dem Prinzip Hoffnung – aber auf keinen Fall nach einem Masterplan für das größte Pulverfass im Nahen Osten ...

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