10.12.2020 16:49 |

Corona-Hilfen sei Dank

Enormer Rückgang: Insolvenzen auf 30-Jahres-Tief

„Koste es, was es wolle“ - das von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) ausgegebene Motto zur Rettung der Unternehmen in der Corona-Krise hat erstaunliche Folgen: Die Zahl der Firmenpleiten ist im Seuchenjahr 2020 auf den niedrigsten Stand seit 1990 gesunken. Insgesamt gab es 10.981 Firmen- und Privatinsolvenzen - um 31,6 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Experten von der Creditreform errechnet haben. Bei den Firmenpleiten betrug das Minus gleich 41,5 Prozent, die Privatinsolvenzen sanken mit einem Rückgang von 26,8 Prozent auf den Stand von 2006. Wermutstropfen: Es gibt rund 50.000 insolvenzgefährdete Firmen im Land.

Die weitaus größte Pleite war jene der Commerzialbank Mattersburg (700 Millionen Euro Schulden), gefolgt von der Anglo Austrian AAB AG (früher Meinl Bank, 287 Millionen) und der Kremsmüller Industrieanlagenbau KG aus Oberösterreich (115 Millionen). Nach Arbeitnehmern war die Restaurantkette Vapiano (700 betroffene Mitarbeiter, 32 Millionen Euro Schulden) die größte Pleite. Von den Insolvenzen zweier KGs aus der Kremsmüller-Gruppe waren zusammen mehr als 1100 Arbeitnehmer betroffen, bei der ATB Spielberg GmbH arbeiteten 396 Menschen (Verbindlichkeiten: 28 Millionen Euro).

„Abnormale Entwicklung“: Plädoyer für Rückkehr zu alten Regeln
Gründe für den starken Pleiten-Rückgang sind vor allem die massiven Wirtschaftshilfen der Regierung - etwa das teilweise Aussetzen der Insolvenzantragspflicht. Solche Maßnahmen „sind verantwortlich für die abnormale Insolvenzentwicklung, in der sich die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Unternehmen nicht widerspiegelt“, so Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer, der erneut dafür plädierte, „das Insolvenzrecht mit seinem bewährten Sanierungsinstrumentarium wieder uneingeschränkt zuzulassen“. Eine Verlängerung der Hilfen brächte dem Staat mehr Schulden und würde den Überlebenskampf vieler Unternehmen nur hinauszögern.

Paradox: Am wenigsten Pleiten im tourismuslastigen Westen
Im stark vom Tourismus abhängigen und unter der Krise besonders leidenden Westen Österreichs sind die Unternehmenspleiten laut Creditreform-Hochrechnung besonders stark zurückgegangen: in Tirol um 58 Prozent, in Vorarlberg um 52 und in Salzburg um 51 Prozent. In Wien gab es mit knapp elf Insolvenzen pro 1000 Firmen den höchsten Wert, in Vorarlberg mit 3,5 den geringsten. Der Österreich-Schnitt lag bei knapp mehr als sechs von 1000 Betrieben. Der Rückgang der Firmenpleiten erfolgte quer über alle Branchen.

50.000 gefährdete Unternehmen: Eindringliche Warnung vor dem „Zahltag“
Laut Creditreform steht die große Pleitewelle noch ins Haus - spätestens „wenn wieder das freie Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte zugelassen wird und staatliche Regulierungen - seien sie noch so gut gemeint - zurückgefahren werden“. Rund 50.000 Unternehmen, die nur dank der jahrelangen Niedrigzinsen überlebt hätten und sich momentan durch die Hilfsmaßnahmen über Wasser halten könnten, seien insolvenzgefährdet. Der Zahltag werde kommen - für die Unternehmen und für die Steuerzahler.

Auch Privatinsolvenzen im Sinkflug
Auch im privaten Bereich gibt es trotz hoher Arbeitslosigkeit weit weniger Pleiten als zuletzt: Die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren ist 2020 um 27 Prozent auf rund 7300 gesunken. „Die Österreicher sparen angesichts der unsicheren Wirtschaftslage und aus Angst vor einem Jobverlust mehr als sonst. Das zeigt auch der bisher schwach anlaufende Weihnachtskonsum“, so Weinhofer. Auch die Kurzarbeit sowie Kredit- und Zinsaufschübe hätten den Menschen finanziell geholfen. Die Hauptgründe für eine Privatinsolvenz waren dennoch auch heuer der Verlust des Arbeitsplatzes, eine gescheiterte Selbstständigkeit und der sorglose Umgang mit Geld.

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