Sendung aus Athen

Paket an Berlusconi geht beim Öffnen in Flammen auf

Ausland
03.11.2010 07:26
Europas Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft: Nachdem erst am Dienstagnachmittag im deutschen Bundeskanzleramt in Berlin eine verdächtige Paketsendung an Angela Merkel sichergestellt wurde, ist am Abend eine an den italienischen Premier Silvio Berlusconi adressierte Sendung auf dem Flughafen von Bologna (Bild) beim Öffnen durch Sprengstoffexperten in Flammen aufgegangen. Verletzt wurde dabei niemand. Auch das Paket in Berlin, das Sprengstoff enthielt, wurde von einem herbeigerufenen Entschärfungskommando unschädlich gemacht.

Das verdächtige Paket in Bologna war an Bord eines Fluges einer Kurierfirma von Athen nach Rom, hieß es in griechischen Medienberichten. Laut italienischen Angaben war die Maschine nach Paris unterwegs. Die Maschine musste außerplanmäßig in Bologna landen.

Italien verschärft Kontrollen auf Flughäfen
Italien verschärft nun die Kontrollen auf den nationalen Flughäfen. "Wir haben bessere Kontrollen auf den Flughäfen veranlasst. Der Innenminister warnte vor einer Zusammenarbeit zwischen italienischen und griechischen Anarchisten. "Es ist möglich, dass Italiener für das Paket verantwortlich sind, das aus Griechenland an Berlusconi gesendet worden ist", warnte Maroni. Der Innenminister zeigte sich über das spannungsgeladene Klima um Berlusconi besorgt. "Rund um Berlusconi tobt nicht seit heute eine endlose Polemik, die terroristische Aktionen fördern könnte", erklärte Maroni.

Pakete an EuGH und Europol adressiert
Indes wurden auch auf dem Flughafen in Athen weitere Paketbomben entdeckt und entschärft. Die kontrollierten Sprengungen fanden den Behördenangaben zufolge am Dienstagabend im Frachtbereich des internationalen Flughafens statt. Die Pakete waren an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und Europol, die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union im niederländischen Den Haag, adressiert gewesen. Der Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt worden, hieß es.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Dienstagabend in einer Rede: "Wir verurteilen es aufs Schärfste und widersetzen uns unerbittlich jedem, der mit Terroraktionen und Gewalt versucht, dem sozialen Frieden und dem Bild des Landes im Ausland zu schaden." Die griechischen Sicherheitsbehörden würden daran arbeiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, versicherte er.

48 Stunden keine Kurierdienste aus Griechenland
Als Konsequenz wurden um Mitternacht für 48 Stunden alle Kurierdienste von Griechenland ins Ausland eingestellt. Die griechische Polizei wollte alle Pakete kontrollieren, die im Athener Flughafen waren, berichtete das Staatsfernsehen NET am späten Abend.

Zwei Festnahmen, fünf weitere Verdächtige
Die griechische Regierung nahm zwei mutmaßliche Mitglieder einer Untergrundorganisation fest. Sie hatten zwei Bomben bei sich, die sie an die belgische Botschaft in Athen und an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy schicken wollten. Zudem veröffentlichte die Polizei in Athen Fotos von weiteren fünf Verdächtigen.

In der griechischen Hauptstadt hatten am Montag und Dienstag die beiden Festgenommenen sowie andere unbekannte Täter Pakete mit Brandsätzen an mehrere Botschaften geschickt, darunter auch die Vertretungen Deutschlands und der Schweiz.

Merkel fordert bessere Kontrolle von Luftfracht
Nach dem Fund der Paketbombe im deutschen Kanzleramt fordert Kanzlerin Merkel größere Anstrengungen zur Schließung möglicher Sicherheitslücken beim Luftfracht-Transport. Demnach müssten die Bombenfunde in Europa "Anlass sein, die Kontrollen für Frachtgüter innerhalb Europas, mit den Vereinigten Staaten und dann möglichst weltweit besser abzustimmen".

EU beruft Expertentreffen ein
Die EU hat nach der Entdeckung der diversen Paketbomben für Freitag ein Expertentreffen zur Bedrohung durch terroristische Luftfracht einberufen. "Das Ziel ist es, eine Antwort auf die jüngsten Bedrohungen auszuarbeiten", sagte Michele Cercone, Sprecher von EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. An dem Treffen von Luftfahrtssicherheitsexperten der 27 EU-Staaten sollen auch Experten zur Entdeckung von Sprengstoffen und für Frachtgut teilnehmen. Die EU arbeite laut dem Sprecher in dieser Frage auch eng mit internationalen Partnern wie den Vereinigten Staaten und Australien zusammen.

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