22.11.2020 05:00 |

Aufklärungsoffensive

HIV-positiv? Das kann wirklich jeden treffen!

HIV ist kein Grund für Ausgrenzung, sondern stellt bei Therapie eine von vielen Krankheiten mit normaler Lebenserwartung dar.

Männer, Frauen, Kinder: Das Humane Immundefizienz-Virus wurde weltweit (Stand 2019) bei ca. 38 Millionen Menschen diagnostiziert, in Österreich leben zwischen acht- und neuntausend Personen damit. Der heurige Welt-AIDS-Tag, der wie jedes Jahr am 1. Dezember stattfinden wird, steht laut WHO mehr denn je unter der Prämisse „Solidarität und Mitverantwortung“, damit neben den dringenden Maßnahmen gegen Covid-19 auch der Zugang zu unentbehrlichen HIV-Angeboten aufrechterhalten bleibt.

Weltweit wirft die Pandemie die Versorgung in unterprivilegierten Ländern auch auf diesem Gebiet zurück und gefährdet das Ziel, HIV/AIDS bis 2030 auszurotten. Der Präsident der Österreichischen AIDS Gesellschaft ÖAG Priv.-Doz. Dr. Alexander Zoufaly, 4. Med. Abteilung Kaiser Franz Josef Spital, Praxis für Infektions- und Tropenmedizin betont im Interview mit „Krone GESUND“: „HIV ist eine Infektion wie viele andere auch, mit der man gut umgehen und leben kann.“

Oft gar keine relevante Immunschwäche mehr
„Es gibt keinen Grund, Betroffene auszugrenzen oder zu diskriminieren, weder in der Öffentlichkeit noch privat, also auch nicht in sozialen Beziehungen. Bei konsequenter Behandlung und Kontrolle muss man nicht einmal mehr von einer relevanten Immunschwächeerkrankung ausgehen.“ Generell besteht für Betroffene zudem weder ein höheres Risiko, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken, noch für einen gefährlicheren Verlauf von Covid-19. Die Therapien werden immer angenehmer, bestätigt Dr. Zoufaly. In der Pipeline befinden sich etwa Depotspritzen, welche nur alle zwei Monate verabreicht werden müssen, Arzneien, die wöchentlich angewendet werden oder Implantate, welche kontinuierlich Wirkstoffe abgeben.

Forschung sucht weiter nach Heilungsmethode
Etabliert hat sich auch die Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, welche die Ansteckungsgefahr durch HIV mittels Einnahme bestimmter Medikamente vor einem Risikokontakt reduzieren. Sie müssen durch den Arzt verordnet werden und sind nicht in jedem Fall geeignet, bilden aber eine zusätzliche Möglichkeit zum Kondom. „Die PrEP wird gut angenommen und gut vertragen. Auch hier sind neue Medikamente und Optionen in Planung“, bestätigt der Experte.

Erst vor Kurzem hat eine Arbeitsgruppe vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Dr. Kathrin Breuker einen bis jetzt nicht bekannten Mechanismus entschlüsselt, über den das Virus seine Vermehrung in menschlichen Zellen vorantreibt. Das ist ein weiterer Baustein für Behandlungsmöglichkeiten. Nachdem SARS-CoV2 derzeit vieles in den Hintergrund drängt, ist es laut ÖAG umso wichtiger, andere Gesundheitsthemen ins Bewusstsein zu rufen. Dazu gehört auch, über eine etwaige Hepatitis-Infektion Bescheid zu wissen. Rechtzeitig einsetzende Behandlung von Hepatitis-B verringert Langzeitauswirkungen. Hepatitis-C kann mit Medikamenten innerhalb nur weniger Wochen geheilt werden.

Unter dem Motto TESTEN. BEHANDELN. VORBEUGEN. findet vom 20.-27. November die Europäische HIV- und Hepatitis-Testwoche statt.

Infos zu HIV finden Sie auch unter: https://www.hivheute.at/

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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