16.11.2020 13:48 |

Studie zu SARS-CoV-2

Virus überlebt im Winter natürliche UV-Strahlung

Die natürliche UV-Strahlung ist im Winter nicht stark genug, um ausreichend gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 zu wirken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni). Demnach können die Viren im Winter im Freien über mehrere Stunden bis zu einem ganzen Tag infektiös bleiben.

Dass die natürliche ultraviolette Strahlung der Sonne (Solar ultraviolet radiation; kurz UVR) Viren unschädlich machen kann, ist hinlänglich bekannt. Ihre Wirksamkeit hängt dabei in erster Linie von der Empfindlichkeit des Virus gegenüber der Strahlung sowie von der Menge der einfallenden UVR ab, berichten die Forscher im Fachjournal „Photochemistry and Photobiology“.

Alois Schmalwieser von der Abteilung für Physiologie und Biophysik der Vetmeduni hat mit einem internationalen Forscherteam Satellitendaten zur DNA-schädigenden UVR mit verfügbaren Informationen zum Einfluss der Stärke der UV-Strahlung auf die Inaktivierung von Coronaviren kombiniert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die UV-Strahlung der Sonne ein hohes Potenzial zur Inaktivierung von Coronaviren aufweist. Das konkrete Ausmaß hängt jedoch stark vom Standort und der Jahreszeit ab“, erklärte der Wissenschaftler.

Im subtropischen Sao Paulo (Brasilien) überlebt etwa ganzjährig im Freien pro Tag nur ein Zehntausendstel aller Coronaviren, während in Reykjavik auf Island ein solch starker Einfluss nur im Juni und Juli festzustellen ist. Im Sommer schaffe es die UV-Strahlung selbst im hohen Norden innerhalb von 30 bis 100 Minuten, 90 Prozent der Viren zu inaktivieren und innerhalb eines Tages sogar komplett abzutöten.

UV-Strahlung wichtigster Begrenzungsfaktor
Für die Forscher legen die Ergebnisse nahe, dass die UV-Strahlung der Sonne im Frühjahr, Sommer und Herbst der wichtigste natürliche Begrenzungsfaktor für das Überleben des Virus im Freien ist. Denn über 90 Prozent der Viren würden in kürzerer Zeit als durch andere natürliche Faktoren wie Oberflächentyp, Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit inaktiviert.

Die UV-Strahlung habe aber vermutlich nur geringfügige Auswirkungen auf die direkte Übertragung der Viren von Person zu Person, da dies innerhalb von Minuten geschehen kann. „Unsere Schätzungen zeigen jedoch, dass Viren, die in der Luft verbleiben oder an Oberflächen haften, eindeutig durch solare UV-Strahlung beeinflusst werden“, so Schmalwieser.

Wolken und Nebel schlecht für Sterilisation
Es gebe aber auch Faktoren wie die Topografie oder trübe Tage mit Nebel und Wolken, die einen wichtigen Einfluss auf die Verteilung der UV-Strahlung und damit auf die Inaktivierung von SARS-CoV-2 haben. So haben die Forscher anhand der Daten für Dezember 2019 errechnet, dass auf dem gesamten europäischen Kontinent die tägliche Sonneneinstrahlung nicht für eine Sterilisation ausreiche.

Damit herrschten „möglicherweise Überlebensbedingungen im Freien, die ausreichen, dass das Coronavirus mehrere Stunden oder sogar über einen ganzen Tag hinweg infektiös bleibt“. Dagegen sei die Sterilisierung von SARS-CoV-2 durch die UV-Strahlung Mitte April, also nach dem ersten Höhepunkt der Pandemie-Welle in Europa, auf dem europäischen Kontinent sehr hoch gewesen.

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