11.11.2020 15:28 |

Möbel als Barrikade

Attentäter bereitete Wohnung für Feuergefecht vor

Der 20-Jährige, der am Abend des 2. November in der Wiener Innenstadt bei einem Terroranschlag vier Menschen tötete und mehr als 20 zum Teil schwer verletzte, hatte seine Wohnung für ein Feuergefecht mit der Polizei vorbereitet. In der Wohnung in der Wagramer Straße, die wenige Stunden nach dem Blutbad im Zuge einer Hausdurchsuchung aufgebrochen wurde, waren Möbel zusammengestellt und zu einer Deckung aufgebaut worden. Offenbar wollte der 20-Jährige für den Fall gewappnet sein, falls die Polizei ihn zu Hause aufsucht.

Entweder ging der 20-jährige Kujtim F. davon aus, dass die Polizei von seinen mörderischen Absichten vor deren Umsetzung Kenntnis erlangt und ihn zu Hause aufsucht, oder davon, dass er den Anschlag überleben würde. In diesem Fall wollte er offenbar in seine Wohnung zurückzukehren und traf dafür Vorkehrungen, sollte er dort mit einem Polizeieinsatz konfrontiert sein.

In der Wohnung wurden nach APA-Informationen auch Klebebänder sichergestellt, mit denen der bei dem Attentat Getötete eine Attrappe eines Sprengstoffgürtels hergestellt hatte, den er beim Anschlag im Herzen Wiens trug. Weiters wurden Schachteln mit der Munition gefunden, von der er in der Innenstadt Gebrauch machte. Weiter unklar ist allerdings, wie Kujtim F. am Abend des Attentats mit seiner schweren Bewaffnung in die City kam.

Zehn mögliche Mitwisser oder Mittäter in U-Haft
Die als mögliche Mitwisser bzw. Mittäter festgenommen Bekannten bzw. Freunde des Attentäters bestreiten unterdessen die gegen sie gerichteten Vorwürfe. „Das ist völlig falsch. Es gibt bisher keine konkreten Hinweise, dass er in die Anschlagspläne oder Vorbereitungshandlungen eingeweiht gewesen wäre“, meinte der Wiener Rechtsanwalt Wolfgang Ebner, der einen der Verdächtigen vertritt. Insgesamt sitzen derzeit zehn als Radikalislamisten geltende Männer in U-Haft. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf Beteiligung am mehrfachen Mord, terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation ermittelt.

Mandant „mehr oder weniger zufällig zu Treffen gestoßen“
Aus dem aktuellen Akteninhalt gehe auch nicht hervor, dass bei den mehrtägigen Treffen mit deutschen und Schweizer Islamisten in der Bundeshauptstadt Mitte Juli über einen Terror-Anschlag gesprochen oder gar ein solcher vorbereitet wurde, sagte Ebner im Gespräch mit der APA. Sein Mandant - ein 18-Jähriger, der mit dem Attentäter vor allem über Internet-Chats Kontakt hielt - sei „mehr oder weniger zufällig zu einem dieser Treffen dazugestoßen“. Man habe sich vor einem Fitnesscenter getroffen, sei nachher etwas essen gegangen, „und weil Gebetszeit war, sind sie dann in eine Moschee gegangen“.

Der spätere Attentäter sei bei diesem einen Treffen aber gar nicht dabei gewesen, betonte Ebner. Die Beweislage in Richtung einer seinem Mandanten unterstellten Beitragstäterschaft zu terroristischen Handlungen sei „insgesamt ausgesprochen dünn“, bekräftigte der Anwalt.

21-Jähriger gab Fahrt mit Attentäter in die Slowakei zu
Unterdessen dürfte feststehen, wer den Attentäter am 21. Juli auf der Fahrt in die Slowakei begleitet hat, wo dieser - wie die slowakischen Behörden dem heimischen Verfassungsschutz meldeten, ohne dass dies hierzulande unmittelbare Folgen gehabt hätte - Munition für ein Sturmgewehr kaufen wollte. Ein weiterer, ebenfalls seit dem vergangenen Wochenende in U-Haft befindlicher Verdächtiger - er ist 21 Jahre alt und hat Wurzeln im Kosovo - soll dies mittlerweile zugegeben haben.

Demnach begleitete der 21-Jährige den Attentäter auch in die Räumlichkeiten des Waffengeschäfts in Bratislava, behauptet aber, es habe dann einen Streit gegeben, weil er bis dahin nicht geahnt habe, dass sein Bekannter an Munition interessiert war. Die Verteidigerin des 21-Jährigen wollte zu dem Ganzen nicht Stellung beziehen. „Wir haben ausgemacht, dass wir uns den Medien gegenüber vorerst nicht äußern“, meinte sie.

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