03.11.2020 09:50 |

Bis zur Evakuierung

Publikum saß in Wiens Kulturtempeln fest

In vielen großen Kulturinstitutionen in der Wiener Innenstadt wurden am Montagabend die letzten Vorstellungen vor dem Lockdown gespielt, als die ersten Nachrichten des Anschlags in unmittelbarer Nähe eintrafen. Die Besucher saßen daraufhin teils stundenlang fest, später wurden U-Bahn-Züge zur Verfügung gestellt, um eine sichere Heimfahrt zu gewährleisten.

In der Wiener Staatsoper war das Verismo-Operndoppel „Cavalleria Rusticana“ und „Pagliacci“ unter anderen mit Superstar Roberto Alagna angesetzt. Kurz vor der Pause, die gegen 20.40 Uhr startete, seien erste Gerüchte über eine Schießerei durchgesickert, berichtete eine Sprecherin. Die Idee, den Abend abzubrechen, verwarf man aber und entschied sich angesichts der Umstände für das Weiterspielen.

Operngäste erfuhren erst nach Vorstellung von Attentat
So erfuhren viele der Operngäste erst nach dem Schlussapplaus von Direktor Bogdan Roscic vom Ernst der Lage, als sich dieser vor den Vorhang begab und die Anordnung der Sicherheitsorgane verkündete, dass aufgrund des Terroranschlags derzeit niemand das Haus verlassen solle. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich alleine 1000 Zuschauer im ausverkauften Saal, zu denen noch die Mitarbeiter der Oper kamen.

Die erste Gruppe, die das Haus verlassen konnte, waren dann die an der Aufführung beteiligten Kinder. Deren Eltern konnten unter Schutz der Polizei zufahren und die Kleinen gegen 23.15 Uhr in Empfang nehmen. Gegen 23.45 Uhr konnte schließlich die erste Gruppe an Gästen die Staatsoper verlassen - via U-Bahn. Ein Zug mit vier Waggons wurde mit Fahrtrichtung Hütteldorf zur Verfügung gestellt, was eine Mehrheit der Anwesenden nutzte. Kurz vor 0.30 Uhr wurden dann zwei weitere Garnituren Richtung Hütteldorf respektive Heiligenstadt zur Verfügung gestellt, um die letzten Verbliebenen aus dem Gebäude evakuieren zu können.

Eingangstüren von innen verschlossen
Die Direktion des Burgtheaters war bereits frühzeitig mit der Polizei in Kontakt, so die Sprecherin des Hauses, die die Ereignisse selbst im Burgtheater miterlebte. Man sei gebeten worden, in Akademie- und Burgtheater, wo zu diesem Zeitpunkt Vorstellungen von „Der Henker“ und „Das Himmelszelt“ in Gang waren, die Eingangstüren von innen zu verschließen, sodass diese nur als Fluchtwege zu benutzen seien. Es wurde empfohlen, die Besucher zu bitten, nach der Vorstellung bis auf Weiteres in den Gebäuden zu bleiben.
Im Burgtheater informierte Direktor Martin Kusej die Zuschauer persönlich. Nach knapp dreistündiger Wartezeit sei das Burgtheater gegen 0.45 Uhr evakuiert worden.

Auch das Akademietheater wurde evakuiert. Dort seien die Besucher unter Polizeischutz zur U-Bahn-Station Stadtpark geleitet worden, wo bereits ein U-Bahn-Sonderzug gewartet habe. Vom Burgtheater seien die Besucher zur U-Bahn-Station Schottentor geleitet worden.

Während der Wartezeit wurden die Besucher mit Getränken versorgt. Auf die Aufforderung, die Gebäude nicht zu verlassen, haben die Besucher zum großen Teil ruhig und besonnen reagiert.

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