08.10.2020 13:00 |

Innsbruck

Vorfall vertuscht? Verwirrung im „Ziegelstadl“

Gab es am 18. September eine Messerattacke unter zwei Häftlingen in der Justizanstalt Innsbruck oder nicht? Diese Frage dürfte nicht nur die „Krone“, sondern vor allem auch das Justizministerium tagelang intensiv beschäftigt haben. Fakt ist: Es gab einen Vorfall. Das Opfer berichtet in einer Stellungnahme davon.

Laut „Krone“-Details soll an diesem besagten Freitag ein Insasse mit einem Messer einen Mithäftling attackiert haben. Brisant: Beim mutmaßlichen Angreifer soll es sich um jenen Insassen handeln, der im August – wie berichtet – angab, bei einer Visitation von einem Justizwache-Beamten geohrfeigt worden zu sein.

Am 21. September betonte das Justizministerium: „Den Vorfall können wir nicht bestätigen. Ein derartiger Vorfall ist uns nicht bekannt.“ Auf erneute Nachfrage kam am 25. September die Antwort zurück: „Daran hat sich nichts geändert.“

„Verbaler Disput“ wurde dann doch eingeräumt
Da diverse „Krone“-Informationen weiterhin auf das Gegenteil hindeuteten, hakten wir nach – mit Erfolg. Am 28. September schrieb das Ministerium: „Am 18. September gab es tatsächlich zwischen zwei Insassen eine (ausschließlich) verbale Meinungsverschiedenheit. Es kam aber zu keinerlei körperlichen Angriffen – weder mit einem Messer noch auf andere Weise.“

„Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme“
Da sich der Disput in der Küche abgespielt habe, sei einem Insassen – tatsächlich jener, der angab, von einem Beamten geohrfeigt worden zu sein – ein Teigschneidemesser vorsorglich abgenommen worden, mit dem er im Rahmen seiner Küchentätigkeit erlaubterweise hantiert habe. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Eine unerlaubte Handlung mit dem Messer habe es somit nicht gegeben, insbesondere keine Attacke.

„Ich sollte ihm Tabletten gegen Geld besorgen“
So weit so gut – oder auch nicht. Denn der „Krone“ wurde die weniger harmonische Stellungnahme des angeblichen Opfers dieses Vorfalls zugespielt: „Ein jugendlicher Inhaftierter der Bäckerei fragte mich während meiner Zigarettenpause, ob ich ihm Tabletten gegen Bezahlung besorgen könne. Als ich verneinte und ihm geraten habe, mir aus dem Weg zu gehen, fing er an, mich mehrmals zu beleidigen. Ich erwiderte die Beleidigungen. Dem Inhaftierten brannten die Sicherungen durch. Er ging in die Bäckerei zurück, griff sich ein Messer und wollte mich attackieren.“

Angebliches Opfer: „Ich habe ernsthaft Angst“
Der Angriff sei von zwei Arbeitskollegen der Bäckerei verhindert worden. Daraufhin habe er den Vorfall den Beamten gemeldet. Zu dessen Zellenkollegen habe der jugendliche Insasse gesagt, dass er seinen Kontrahenten abstechen wolle, sobald er ihn erwische. „Ich habe Angst um meine Gesundheit“, fügte der Inhaftierte am Ende noch an.

Ein Insasse wurde mittlerweile verlegt
Wie reagiert wiederum das Ministerium? „Wie mitgeteilt, kam es zu keinerlei körperlichen Angriffen. Das Teigschneidemesser wurde von einem Beamten präventiv abgenommen. Dies wird durch die Stellungnahme des Opfers bestätigt“, betont ein Sprecher. Die Stellungnahme sei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. „Bereits vor dem Vorfall wurde die Verlegung eines der beiden Insassen in eine andere Justizanstalt geplant. Diese wurde mittlerweile durchgeführt,“ heißt es.

„Drei scharfe, 30 Zentimeter lange Messer wurden gefunden“
Und am Mittwoch ereilte die „Krone“ noch ein anonymer Brief von einem Beamten des „Ziegelstadls“: „Seit einigen Wochen wird ein meldepflichtiger Vorfall einen Insassen betreffend vertuscht. Dieser sagte, dass er einen Häftling (Name bekannt) abstechen werde. Beim Verlassen der Anstaltsküche wurde er visitiert. Dabei wurden drei scharfe, 30 Zentimeter lange Messer gefunden.“ Ein Verantwortlicher soll gesagt haben: „Keine Meldung! Das vertuschen wir.“

Vieles deutet darauf hin, dass es sich hierbei um den eingangs erwähnten Vorfall handelt. Die Verwirrung wäre so jedenfalls perfekt ...

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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