Cyber-Attacken

Iran verkündet Festnahme von "Atom-Spionen"

Ausland
02.10.2010 16:06
Der Krimi um die Cyber-Attacken auf das iranische Atomprogramm geht in die nächste Runde: Die islamische Republik hat nach eigenen Angaben nun mehrere "Atom-Spione" verhaftet. Die Festgenommenen hätten das Atomprogramm des Landes sabotieren wollten, heißt es. Nach wie vor bestreitet die Regierung, dass von dem Computerschädling "Stuxnet" auch Industrieanlagen wie das unfertige AKW Bushehr (Bild) befallen wurden.

Der Chef des iranischen Geheimdienstes, Heyder Moslehi, sagte am Samstag, dass der iranische Cyberspace derzeit "unter Kontrolle" sei, IT-Experten im Geheimdienst hätten eine "virtuelle Sabotage durch die Weltarroganz (gemeint ist der Westen, Anm.)" erfolgreich verhindert. Der Geheimdienstchef sagte jedoch nicht, um wen es sich bei den Verhafteten handelt und in welcher Form sie in die Cyber-Attacken verwickelt waren.

Iranische Ministerialsprecher hatten zwischendurch aber eingestanden, dass der Iran Ziel einer Cyber-Attacke war bzw. ist. 30.000 Computer der iranischen Industrieanlagen seien von dem Computerschädling Stuxnet infiziert worden, hieß es. Das iranische Außenministerium bezeichnete die Berichte, in denen die Sprecher zitiert wurden, dann aber als "Propaganda-Trick" des Westens. Im Inland warnte die Regierung jedoch erneut vor dem Trojaner und forderte alle Behörden auf, das Problem ernst zu nehmen.

"Nicht betroffenes" AKW geht erst später in Betrieb
Der iranische Atomchef Ali-Akbar Salehi hat mehrmals bekräftigt, dass die Zentralsteuerung des Atomkraftwerks Bushehr im Süden des Landes nicht von Stuxnet infiziert sei. Er räumte aber ein, dass einige private Computer von Angestellten infiziert wurden, aber auch dort seien die notwendigen Säuberungsarbeiten bereits erfolgt.

Kurz darauf kündigte Salehi dann an, dass sich die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks um Monate verzögern wird. Das Kraftwerk sollte im November ans Netz gehen, dies werde nun zwei bis drei Monate später als geplant erfolgen. Als Grund gab er die Hitze in Bushehr an.

Stuxnet-Entdecker: "Hack des Jahrzehnts"
Stuxnet wurde von Fachleuten in Deutschland entdeckt. So fand der in Hamburg ansässige Sicherheitsexperte Ralph Langner mit seinem Team heraus, dass Stuxnet vier Schwachstellen der Windows- Betriebssysteme von Microsoft ausnutzt und insbesondere Leittechnik- Produkte der Firma Siemens angreift. Langner spricht vom "Hack des Jahrzehnts", und zählt in seinem Blog die Gründe auf, warum sich die Cyber- Attacke gegen die iranische Atomanlage Bushehr richtet. Der Schädling sei von Insidern ganz gezielt als Sabotage- Software für solche Anlagen entworfen worden. Und es sei auch wohl kein Zufall, dass dort sich in jüngster Zeit die technischen Probleme häuften.

Zum bedrohlichen Szenario der Cyberattacke auf den Iran gehört auch, dass in der Atomanlage Bushehr offenbar eine nicht lizenzierte Version der Steuerungssoftware von Siemens verwendet wird, die außerdem auch nicht richtig konfiguriert wurde. "Ich habe so etwas noch nie gesehen, nicht einmal in der kleinsten Plätzchen- Backfabrik", zeigt sich Langner entsetzt, nachdem er ein Pressefoto mit einer entsprechenden Fehlermeldung auf einem Monitor in der Steuerungszentrale in Bushehr entdeckt hatte.

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