17.09.2020 14:19 |

Neben Pestiziden

Handystrahlung auch ein Grund für Insektensterben?

Im Zuge der Analyse von 190 Studien aus aller Welt sind deutsche Wissenschaftler zur These gelangt, dass Handystrahlung ein Grund für das Insektensterben in Europa sein könnte. Die gemeinsame Untersuchung von Naturschutzbund Deutschland, der Initiative Diagnose Funk und der Luxemburger Aktionsgruppe Umwelttoxikologie kommt zu dem Ergebnis, dass abseits von Pestiziden und dem Verlust von Lebensräumen auch die zunehmende Belastung mit elektromagnetischer Strahlung „vermutlich einen negativen Einfluss auf die Insektenwelt“ habe.

Demnach wiesen 60 von hundert aus der Gesamtmenge als seriös eingestuften Studien in Labor- und Feldversuchen negative Auswirkungen auf Bienen, Wespen und Fliegen nach. Diese reichten vom Verlust der Orientierungsfähigkeit durch die Magnetfelder bis hin zur Schädigung des Erbguts und der Larven. Ein Grund dafür sei, dass insbesondere Mobilfunk- und WLAN-Strahlung dafür sorge, dass die Kalziumkanäle der Zellen geöffnet würden, so dass Kalziumionen vermehrt einfließen. Kalzium ist ein wichtiger Botenstoff, der eine biochemische Kettenreaktion bei Insekten auslöst, wie die auch in der Fachzeitschrift „umwelt medizin gesellschaft“ veröffentlichte Untersuchung erläuterte.

„Die Metastudie zeigt auf, dass wir bei der Ursachenanalyse für den dramatischen Insektenschwund unsere Augen in alle Richtungen offen halten müssen“, erklärte der baden-württembergische Naturschutzbund-Landeschef Johannes Enssle. Die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt werde häufig unterschätzt.

Forderung nach weiterer Forschung mit Blick auf 5G-Technologie
Auch Peter Hensinger, zweiter Vorsitzender von Diagnose Funk und Leiter des Fachbereichs Wissenschaft, forderte die Beachtung möglicher negativer Effekte auf Tiere und Menschen beim Ausbau des digitalen Netzes. Eine weitere Erforschung der Wirkungen sei auch von staatlicher Seite notwendig, insbesondere mit Blick auf die Einführung der 5G-Technologie.

Mobilfunk-Lobby widerspricht: „Keine belastbare Beweise“
Eine Reaktion der Mobilfunkbranche ließ nach der Veröffentlichung der Studie nicht lange auf sich warten. Das österreichische Forum Mobilkommunikation wies die These der Expertengruppe zurück und betonte, es handle sich lediglich um eine Meta-Analyse eines längst abgehandelten Themas. Zudem würde auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz den Annahmen klar widersprechen. „Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische sowie niederfrequente und statische elektrische und magnetische Felder unterhalb der Grenzwerte“, zitierte das FMK von der Homepage des Bundesamts.

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