27.08.2020 13:11 |

Lockdown-Bilanz:

Weniger Unfälle auf Straßen, aber mehr im Haushalt

Alle zu Hause, alles gut - weit gefehlt: Der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie hat Österreich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) nicht sicherer gemacht. Es haben sich nur die Herausforderungen verlagert. So stehen etwa Rückgängen bei Unfällen im Straßenverkehr eklatante Steigerungen im Haushalt, im Wald und in der Freizeit gegenüber. Auch bei der Kriminalität gab es Verlagerungen.

Das KFV machte darauf aufmerksam, dass die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, auch nur auf den ersten Blick geringer geworden ist. Die Zahl der Getöteten sei zwar im Vergleich zum Vorjahr um knapp 33 Prozent gesunken, da aber auch die Fahrleistung gesunken sei, sei die Zahl in der Relation sogar höher als im Vergleichszeitraum 2019, so die KFV-Experten. „Es sind natürlich viel weniger Kilometer gefahren worden“, sagte KFV-Direktor Othmar Thann.

Drogen, Alkohol, Geschwindigkeitsübertretungen
Außerdem seien überproportional viele Lenker wegen Drogen oder Alkohol am Steuer sowie wegen eklatanter Geschwindigkeitsübertretungen weit jenseits der 20 km/h mehr als erlaubt erwischt worden. Der KFV-Direktor berichtete von einem Einzelfall, bei dem ein Autofahrer in einer Tempo-30-Zone mit 152 km/h erwischt wurde.

Mehr Stürze und Knochenbrüche
Darüber hinaus brachte der Lockdown andere Gefahren mit sich: So gab es mehr Stürze zu Hause, unter anderem, weil viele Senioren sehr lange allein zu Hause waren. Knochenbrüche der Hüfte oder des Oberschenkels, Platzwunden bis hin zu Gehirnblutungen waren die Folge.

Auch wurde ein höheres Unfallrisiko dadurch beobachtet, dass mehr Menschen Handwerkstätigkeiten erledigten und potenziell gefährliche Heimarbeiten verrichteten, wie etwa den Fensterputz. Sportunfälle wurden ebenfalls mehr registriert. So hatte der im Frühjahr registrierte Run auf E-Bikes seine Auswirkungen auf das Unfallgeschehen.

„Hemmschwelle, ins Spital zu gehen, sehr hoch“
Allerdings wurde in den Spitalsambulanzen ein Rückgang der Verletzten um 40 bis 60 Prozent registriert. Thann erklärte das damit, dass die Hemmschwelle, in ein Krankenhaus zu gehen, laut einer Umfrage sehr hoch gewesen sei.

Einbrücke stark zurückgegangen
Starke Rückgänge gab es laut KFV bei Wohnraumeinbrüchen. „Es gab Tage, an denen kein einziger Wohnraumeinbruch registriert wurde“, sagte Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz beim KFV. „Die Menschen waren zu Hause, es gab mehr Polizeikontrollen, es war sehr schwer, sich unauffällig zu bewegen.“

Cyberkriminalität gestiegen
Im Gegenzug stiegen kriminelle Aktivitäten im Cyberspace eklatant an. Es gab gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 72 Prozent mehr widerrechtliche Zugriffe auf Computersysteme, um 207 Prozent mehr Missbräuche von Computerprogrammen oder Zugangsdaten und nahezu eine Verdopplung (plus 97 Prozent) beim betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauch. Dennoch: Laut einer Umfrage Anfang August fühlen sich 97 Prozent der Österreicher in unserem Land „sehr sicher“ oder „eher sicher“.

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