18.08.2020 14:40 |

Keine Masken in Klasse

Lehrergewerkschaft übt Kritik an Schulstart-Plan

Das Maßnahmenpaket von Minister Heinz Faßmann (ÖVP) zum Schulstart in Corona-Zeiten, das möglichst viel Normalität ermöglichen will, kommt bei Direktoren und Elternvertretern gut an - weniger jedoch bei Lehrergewerkschaften. Diese hätten sich eine weitergehende Maskenpflicht gewünscht.

Großflächige Schulschließungen sollen vermieden werden, eine Umstellung auf Heimunterricht soll es laut dem am Montag präsentierten Konzept nur geben, wenn die Corona-Ampel auf „rot“ springt oder einzelne Schulen oder Klassen wegen Covid-19-Infektionen geschlossen werden. Das Infektionsgeschehen an den Schulen wird per Screening kontrolliert. Steht die Ampel auf „grün“, soll es an den Schulen weitestgehend Normalbetrieb geben. Ab Stufe „gelb“ gilt durchgehend Mund-Nasen-Schutz-Pflicht außerhalb von Klassenräumen. Im Unterricht soll es keine Maskenpflicht geben.

Gewerkschaft fordert schulautonomen Spielraum
Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) anerkennt, dass nun ein „Rahmen“ vorliege, aber „jetzt gilt es natürlich noch sehr, sehr viele Details zu klären“, betonte er. Dabei gehe es etwa darum, wie man mit Verdachtsfällen umgehe oder ob die Schulen Unterstützung von medizinischem Fachpersonal bekommen - ein Lehrer könne ja nicht beurteilen, ob ein Schüler die Grippe oder Covid-19 habe. Man müsse sich auch überlegen, wie groß der schulautonome Spielraum sei, denn beispielsweise seien die Gebäude sehr unterschiedlich. Was Maßnahmen wie eine Maskenpflicht betrifft, plädiert Kimberger dafür, dass die Schulen selbst entscheiden sollen, ob es sinnvoll sei.

AHS-Gewerkschafter Herbert Weiß (FCG) befand in der Tageszeitung „Heute“ (Dienstag-Ausgabe), „ein Unterricht ohne Schutzmasken wird in manchen Bereichen einfach nicht durchführbar sein“. So könne man etwa im EDV-Unterricht den Sicherheitsabstand nur schwer einhalten, wenn der Lehrer dem Schüler etwas am Bildschirm zeigen will. Weiß hätte sich in Sachen Maskenpflicht mehr Kompetenzen für Lehrer erhofft.

Auch BMHS-Gewerkschafter Roland Gangl (FCG) meinte, dass die Schule für die Oberstufenschüler entscheiden sollte, ob eine Maskenpflicht sinnvoll ist oder nicht. Generell meinte Gangl, dass sich nun die Baupolitik der letzten Jahrzehnte räche, was das geplante Abstandhalten und regelmäßige Lüften betreffe - dies seien Themen, mit denen man sich in Zukunft verstärkt auseinandersetzen müsse.

Direktoren-Sprecherin überzeugt: „Es wird funktionieren“
Äußerst zufrieden mit dem vorgelegten Paket ist die Sprecherin der AHS-Direktoren, Isabella Zins: Die Direktorenvertreter hätten gut mit dem Ministerium zusammengearbeitet und es sei viel Expertise aus der Praxis eingeflossen, erklärte sie. Man könne von keinem Papier erwarten, dass jede Frage beantwortet werde, aber als Unterstützung sei es „sehr hilfreich“ - etwa was im Verdachtsfall passiert und wie man den Schulalltag in den einzelnen Ampelphasen organisiert. In Bezug auf die Masken plädiert Zins dafür, „mit Herz und Hirn“ zu agieren. Es hätten ohnehin alle eine Maske dabei und es spreche nichts dagegen, sie auch während einer „grünen“ Ampelphase zwischendurch etwa für Gruppenarbeiten aufzusetzen. „Es ist wichtig, ein Schulklima zu schaffen, das möglichst normal ist.“ Zins ist davon überzeugt, dass sich die Situation einspielen wird: „Es wird funktionieren.“

Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an Pflichtschulen, sieht sehr viele Anliegen von Eltern eingearbeitet. Teilweise müsse freilich nachgeschärft werden. So müsse es in der ersten Schulwoche nicht nur einen Elternbrief geben, sondern an jedem Schulstandort einen Fahrplan, damit die Eltern wissen, was in gewissen Situationen passiert. Auch fordert Kometter, dass es für Schüler, die zu Hause bleiben - weil sie etwa zur Risikogruppe gehöre - einen Livestream aus dem Klassenzimmer gibt. Dass es bei „grüner“ Ampel keine Maskenpflicht im Schulhaus gibt, findet die Elternvertreterin gut.

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