Mord geklärt

20-jähriger Lehrling soll Prostituierte erstochen haben

Wien
09.09.2010 12:43
Ein 20-jähriger Installateurslehrling soll aus Kränkung und wegen Geldstreitigkeiten Ende August die 22-jährige slowakische Prostituierte in Rudolfsheim-Fünfhaus ermordet haben. Nachdem sich der junge Mann bei der Tat selbst eine tiefe Stichwunde an der Hand zufügte, fingierte er zur Verschleierung einen Raubüberfall. Ungereimtheiten in seinen Aussagen machten die Ermittler jedoch stutzig, berichtete Oberstleutnant Gerhard Haimeder (Bild) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Am Mittwoch war der 20-Jährige von der Polizei aus der Berufsschule abgeholt und festgenommen worden. Der ursprüngliche Verdächtige, ein 41-jähriger Serbe, der bereits in U-Haft saß, ist wieder auf freiem Fuß. Der junge Wiener legte ein Geständnis ab.

Prostituierte und mutmaßlicher Täter kannten sich
Bereits vor drei Monaten hatten sich das Opfer und der mutmaßliche Täter über eine Begleitagentur kennengelernt und bis zum Tatzeitpunkt am 21. August "zwei bis dreimal getroffen", sagte Helmut Fischer, Leiter der Ermittlungsgruppe. An dem besagten Nachmittag soll die 22-Jährige den Lehrling angerufen und zu sich bestellt haben. Sie wollte sich, wie schon zuvor, Geld borgen, das sie für die Anschaffung einer neuen Wohnung benötigte.

Polizei: "Er hat das Mordopfer verehrt"
Der mutmaßliche Täter betrachtete die Prostituierte als eine Art Bezugsperson, die seine Probleme verstand, "er hat das Mordopfer verehrt", sagte Fischer. Bei dem Streit ums Geld "fühlte er sich ausgelacht", die Auseinandersetzung eskalierte und der 20-Jährige stach zu. Der mutmaßliche Täter soll laut Ermittler "offensichtlich Probleme in Beziehung zu Frauen" gehabt haben.

Im Zuge der Auseinandersetzung fügte sich der Angreifer selber eine tiefe Stichwunde zwischen Daumen und Zeigefinger zu. Nachdem die Blutung nicht stoppte, ließ er sich von seinem Vater in ein Krankenhaus bringen und zeigte schließlich den fingierten Raubüberfall bei der Polizei an, der sich unweit des Tatortes abgespielt haben soll. Stutzig machte die Ermittler die auffällige Verletzung des Lehrlings. "Hätte er in ein Messer gegriffen, wäre der Schnitt anders verlaufen", sagte Ermittler Fischer. Außerdem hatten der mutmaßliche Täter und das Opfer kurz vor dem Todeszeitpunkt noch telefonischen Kontakt, und der junge Mann konnte die Tatwaffe verdächtig genau beschreiben.

Leiche erst nach einer Woche gefunden
Erst knapp eine Woche nach der Tat fanden zwei Freunde der Prostituierten am 27. August kurz vor 1 Uhr die Leiche, sagte Oberstleutnant Gerhard Haimeder. In der Wohnung in der Gebrüder-Lang-Gasse 15 befanden sich mehrere Brandherde, teilweise war sie unter Wasser gesetzt. Laut Gutachten wurde die Slowakin am späten Nachmittag des 21. August ermordet. Ihr Körper wies mehrere Stich- und Schnittverletzungen auf. Ein Stich ins Herz war tödlich.

Das Opfer soll sich immer wieder von mehreren Männern Geld geborgt haben, so auch von dem ursprünglich verdächtigen 41-jährigen Serben, der bis Mittwoch in U-Haft saß. Der Serbe soll mehr Kontakt als üblich zu dem Opfer gehabt haben und war mit der 22-jährigen Prostituierten in Geldstreitigkeiten verwickelt. "Die beiden hatten wiederholt heftigen Streit, er soll sie bereits mit Mord bedroht haben und klopfte öfter wild an die Wohnungstür", sagte Fischer. Außerdem war er nach dem Mord kurzzeitig nicht auffindbar, so eine weitere Begründung für den ursprünglichen Verdacht.

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