18.06.2020 11:00 |

Maßnahmen in Tirol

500.000 Euro zum Schutz vor Wolf, Bär & Co

Zum Schutz der Tiere und der Almwirtschaft stellt das Land Tirol verstärkt Mittel für Fachberatungen zu Verfügung und unterstützt Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune, Hirten oder Hunde, heißt es am Donnerstag in einer Aussendung. In den Jahren 2020 und 2021 sind dafür - vorbehaltlich der Genehmigung des Landtages - jeweils 500.000 Euro vorgesehen. 

Es ist eine unglaublich emotionale Diskussion, die derzeit die Wogen in Tirol hochgehen lässt: Der Wolf kehrt nach Tirol zurück und hat alleine im heurigen Jahr schon 28 Schafe auf dem Gewissen. Für die betroffenen Landwirte ist die Situation kaum zu ertragen - die „Krone“ berichtete. 

Strenge Gesetze und Petitionen 
Die Handhabe gegen das Raubtier ist aufgrund strenger EU-Gesetze aber stark eingeschränkt. Der Wolf gehört zu den streng geschützten Tierarten, darf nach den FFH-Richtlinien nur in Ausnahmefällen und bei günstigem Erhaltungszustand entnommen werden. Mehrere Gemeinden haben deshalb bereits Petitionen eingereicht, die der zuständige Landesrat Josef Geisler an alle EU-, NR- und Tiroler Landtagsabgeordneten weitergab. Tierschützer lehnen die Entnahme vehement ab. 

Herdenschutz ist teuer
Doch das große Problem ist: Herdenschutz ist in Tirol nur schwer umsetzbar - und mit erheblichen Kosten verbunden. Eine im Vorjahr beim Schweizer Institut Agridea vom Land Tirol in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass Herdenschutz in den hochalpinen, oft stark frequentierten Almregionen Tirols mit Kosten von elf bis 80 Euro pro Schaf verbunden ist. Zum Vergleich: Ein ausgewachsenes Schaf erzielt bei Versteigerungen durchschnittlich Preise zwischen 250 und 350 Euro. Manche Landwirte lässt diese Situation aber auch kreativ werden - wie etwa Thomas Schranz, Tirols einzigen Wanderhirten.

500.000 Euro zum Schutz der Alm- und Weidewirtschaft 
Dennoch, für den Großteil der Landwirte ist die Situation schwierig - und hier will das Land den betroffenen Bauern nun unter die Arme greifen, wie es am Donnerstag heißt. „Die Almwirtschaft hat in Tirol nicht nur eine große Bedeutung für die Landwirtschaft, sondern auch für den Tourismus, das Naturgefahrenmanagement und die Biodiversität. Wir müssen alles daran setzen, die Bewirtschaftung der Almen und die Beweidung der Hochalmen auch durch Schafe und Ziegen aufrechtzuerhalten“, erklärt Geisler.

„Bestmögliche Hilfe anbieten“
„An den naturräumlichen Gegebenheiten wird sich durch die Unterstützung des Landes von Herdenschutzmaßnahmen nichts ändern. Wo es möglich ist und die Tierhalter dahinterstehen, wollen wir aber bestmögliche Hilfeleistung bieten, um die Bewirtschaftung unserer Bergregionen abzusichern“, sieht Geisler vor dem Hintergrund des EU-Schutzstatus eine Verantwortung der öffentlichen Hand zur Unterstützung der Almwirtschaft.

Voraussetzung für eine mit den EU-Bestimmungen konforme Entnahme schadensauffälliger Tiere ist, dass Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Tieren ausgereizt sein müssen.

Wölfe vermehren sich rasant
Aufgrund der unionsrechtlichen Artenschutzbestimmungen gibt es bei den Populationen der großen Beutegreifer in Europa überwiegend Zuwächse. Bislang hat es Tirol nicht mit einer dauernden Wolfspräsenz, sondern mit durchziehenden Wölfen zu tun. Doch rund um unser Bundesland haben sich bereits Rudel gebildet. In Südtirol gibt es bereits zwei, im Trentino 13 Wolfsrudel, in Niederösterreich zählt man drei und im Schweizer Kanton Graubünden vier Rudel. Deutschland verzeichnet mittlerweile 105 Wolfsrudel. „Mit der Unterstützung der heimischen Weide- und Almwirtschaft zur Prävention von Schäden durch große Beutegreifer tragen wir dieser Entwicklung Rechnung“, so Geisler.

Besteht der Verdacht, dass ein großer Beutegreifer ein Tier gerissen hat, führen Amtstierärzte nach Eingehen der Meldung eine Rissbeurteilung vor Ort durch. „Die vom Land Tirol im Sommer 2018 eingerichtete Steuerungsgruppe hat auf Basis des bereits 2012 beschlossenen Modells ein faires und unbürokratisches Entschädigungsmodell für gerissene Tiere entwickelt“, heißt es vom Land. Tirol ist außerdem Mitglied im Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs.

 Tiroler Krone
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