16.06.2020 18:00 |

Fokus Herdenschutz

Wie der „Zaungast“ Wolf seinen Schrecken verliert

Die Rückkehr des Wolfes in unsere Wälder beschäftigt zurzeit die Schafbauern. Sie sehen die traditionelle Almwirtschaft in Gefahr und keine Alternative zur „Entnahme“. Für Thomas Schranz, Tirols einzigen Wanderhirten, ist eine Koexistenz sehr wohl möglich - durch gezielte Weideführung und Herdenschutz.

„Die Leute meinen, ich bin ein Freund des Wolfes. Das stimmt nicht. Er ist aber hier und wir müssen mit ihm leben lernen“, sagt Thomas Schranz aus Tösens. Er ist Tirols einziger Wanderschäfer und ist seit sechs Jahren in der Mission Landschaftspflege und Erhalt der Kulturlandschaft mit seinen 160 Schafen auf „fremden“ Flächen unterwegs. Neuerdings sind aber auch die Zaungäste fremd, zumindest für die Tiroler. Jene „Besucher“, die vor allem im nahe gelegenen Serfaus mehr als unerwünscht sind. 22 Schafe wurden in den letzten Wochen auf der Komperdell-Alm vom Wolf gerissen. Die verzweifelten Bauern holten mittlerweile ihre Tiere in das (noch) sichere Tal zurück. Eine Petition fordert vehement das Recht der „Entnahme“, wie der Abschuss neuerdings genannt wird.

Hunde und umzäunte Nachtkoppel zentral
Schranz weiß, dass eine Änderung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFHR) der EU, in der der Schutz des Wolfes verankert ist, nicht zu erwarten ist. „Also müssen wir unsere Herden schützen!“ Nur wie? Eine Almbegehung Ende Mai ließ Experten zu dem Schluss kommen, dass eine gezielte Weideführung und Herdenschutzmaßnahmen „kaum realisierbar“ sind. Thomas Schranz sieht das anders: „Es ist eine Koexistenz von Schaf und Wolf möglich, wenn man es professionell und strategisch angeht.“ Seine Hände gleiten dabei in das flauschige Fell jener Tiere, die dabei eine große Rolle spielen: Die Herdenschutzhunde Dijay und Summ, die einzigen im Tiroler Oberland. Im Unterschied zu „normalen“ Hirtenhunden werden sie schon in der Schafherde geboren und fühlen sich als Teil davon. „Sie sind stark im Kopf und bieten dem Wolf am Zaun Paroli“, weiß der Wanderhirte.

„Wir lassen uns nicht die Almwirtschaft zerstören“
Am Zaun! Eine gezielte Weideführung sei das Um und Auf. Dabei werde nicht das gesamte Weidegebiet eingezäunt, sondern eine umzäunte Nachtkoppel errichtet. Und Säule Nummer drei: Die Anwesenheit eines Hirten und eines -hundes. Herdenschutz sei also ein Gesamtpaket, das der Tösner im nächsten Jahr anbieten wird: „Wir lassen uns vom Wolf nicht unsere Almwirtschaft kaputt machen.“ Mit bis zu 2000 Schafen und Ziegen kann sein Team – mit moderner GPS-Technologie ausgestattet – künftig auf der Walz sein. Vorausgesetzt, er bekommt die Aufträge dazu. Professionalität ist aber auch immer eine Frage der Kosten. Auch der Hirten-Profi weiß, dass sich zu den bestehenden noch weitere Fördertöpfe öffnen müssen. Und: Auch der Bauer muss seinen Beitrag leisten!

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