05.06.2020 07:35 |

„Zu Tode gehetzt“

Zehn tote Ziegen auf Alm: Wieder Wolf am Werk?

Zehn seiner 17 Ziegen sind tot, eine unauffindbar. „Zu Tode gehetzt“, sagt Landwirt Josef Sammer, der die Kadaver von der Grödigalm im  Tiroler Kirchdorf (Bezirk Kitzbühel) holen musste. DNA-Proben werden klären, ob ein Wolf dahintersteckt. Für Sammer ist aber jetzt schon klar: „Wären es tote Hunde, wär die Hölle los – aber bei uns Bauern, da wird weggesehen.“

Gejagt seien seine „Goas“ geworden – so lange „bis ihnen das Herz stehen blieb, die Lunge aufgab“, sagt Josef Sammer aufgebracht. Eine Ziege habe einen Biss, bei anderen sehe man Spuren von Tatzen.

Zehn seiner 17 „Goas“ musste er mit Hilfe der Feuerwehr von der Alm holen – tot. „Eine finden wir nicht“, sagt Sammer. Die restlichen seien sichtlich erschöpft. Normalerweise verbringen die Tiere den Sommer auf der „Grödigalm“ – „zur Almpflege“.

„Niemand unternimmt etwas“
Doch heuer kam es anders: Über die Hälfte der Tiere liegen nun bei der AGES in Innsbruck, statt in Kirchdorf auf der Alm. Die Kadaver werden dort untersucht, um herauszufinden, wer oder was die Tiere ums Leben brachte. Für Sammer ist die Situation kaum zu ertragen: „Ich frage mich“, sagt der 56-Jährige mit bebender Stimme, „was wäre im Land Tirol los, wenn Hunde zu Tode gehetzt werden?“

Er fühlt sich im Stich gelassen, von der Politik aber auch von der Landwirtschaftskammer. „Seit Jahren weiß man, dass der Wolf in Tirol zunehmend Thema wird. Aber es wird nichts dagegen unternommen“, sagt er, „dabei betreiben wir mit unseren Tieren Landschaftspflege - 365 Tage im Jahr.“

Wolf breitet sich aus
Dass das Thema Wolf immer größer wird, bestätigt auch Martin Janovsky, Beauftragter des Landes Tirols für große Beutegreifer. „Alleine in Trient gibt es 13 Wolfsrudel“, sagt Janovsky. Die Ausbreitung des Raubtiers sei eine biologische Tatsache, auch in Deutschland und der Schweiz - und rund um Tirol sei eben kein Zaun, der die Wölfe aufhält.

Deshalb werde die Situation vom Land Tirol sehr ernst genommen, wie Janovsky betont: „Risse werden untersucht, Wolfsbegegnungen, wie kürzlich im Zillertal analysiert.“ Das Ergebnis der DNA-Untersuchungen aus Serfaus, wo wie berichtet, tote Schafe gefunden wurden, stehe aber noch aus.

Die Bilder aus Kirchdorf würden auf den ersten Blick aber nicht auf einen Wolf hinweisen, erklärt Janovsky: „Die Kadaver sind äußerlich größtenteils unversehrt ohne Einbisspuren.“ Zu Tode hetzen sei keine Art des Wolfes, seine Beute zu erlegen. DNA-Proben sollen aber Klarheit bringen.

„Die Amtstierärztin hat auch eine Krankheit nicht ausgeschlossen, näheres werden aber erst die Untersuchungen der AGES zeigen“, betont Janovsky. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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